|
The Black Power Mixtape 1967-1975 |
|
|
|
Schweden, USA 2011 Regie: Göran Hugo Olsson Darsteller: Stokely Carmichael, Angela Davis, Erykah Badu, Harry Belafonte Länge: 94 Min. Web: http://blackpowermixtape.de Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=lXQxyYllXnM
"Black Power" ist einer dieser Begriffe, die man zu kennen scheint, solange man nicht genau hinschaut. Gerade das tut der Film von Göran Hugo Olsson, indem er die Geschichte der afroamerikanischen Bewegung chronologisch aus der Sicht schwedischer Reporter nacherzählt. Dieser ungewöhnliche Ansatz liefert überraschende Einsichten und Erkenntnisse. Eine historische Lehrstunde in interessanter Doku-Remix-Form.
PRESSESTIMMEN "Black Power Mixtape" dokumentiert die Entwicklung der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Es werden Parallelen zu den gesellschaftlichen Umbrüchen heute sichtbar. DIE ZEIT
Von 1967 bis 1975 dokumentierten schwedische Journalisten die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA - danach verschwanden die Filmaufnahmen in den Archiven. Jetzt wurde der Schatz gehoben - und erlaubt grandiose Einblicke in den damaligen Zeitgeist. ARD
FILMKRITIK Das Land der Freiheit wird in der Strandbar gepriesen - der Gegenschnitt zeigt bedrohlich einen Polizisten mit Gewehr. Im Gegensatz zwischen weißem Strandvergnügen und den Armen-Siedlungen der Schwarzen - unter ihnen viele traumatisierte, drogenabhängige Vietnam-Veteranen - setzt gleich zu Beginn ein Statement über das Jahr 1967 und über die Haltung der schwedischen TV-Journalisten damals. So kritisch berichteten sie über die sozialen und menschrechtlichen Missstände der USA, dass selbstverständlich der Vorwurf des Anti-Amerikanismus aufkam. Ein TV-Blättchen startete eine Mediendiskussion und erfüllte damit brav die Funktion des Verblödungs-Medium, wie Fox News heutzutage. (Hier wäre ein länderübergreifender Blick auf die BRD interessant, inwiefern die Linientreue zum Bündnispartner damals den Blick zensierte.)
Doch die Hauptlinie des „Black Power Mixtape“-Regisseurs oder -Monteurs Göran Hugo Olsson bleibt die Entwicklung des afroamerikanischen Widerstandes, beginnend mit den friedlichen Protesten Martin Luther Kings beim blutig niedergeschossenen Boykott der rassistischen Busse. Die Kommentare des in seiner intelligenten Besonnenheit faszinierenden Aktivisten und Autoren Stokely Carmichael beeindrucken, indem sie Black Power und Martin Luther King als zusammengehörige Antagonisten analysieren. Auf einer weiteren Ebene heutiger Kommentatoren (u.a. Eryka Badu, Melvin van Peebles, Harry Belafonte, diverse Dichter und Musiker) hören wir, dass Carmichaels Reden das FBI noch nach 40 Jahren beunruhigen: Auch wer sie heute hört, wird verhört....
Dabei liefert „The Black Power Mixtape 1967 -1975“ nicht nur eine Geschichtsstunde, die ihr Thema auf mehreren Ebenen mit viel Erkenntnisgewinn verfolgt, immer wieder schaffen es auch die Originalaufnahmen, menschlich zu berühren. Wenn beispielsweise Carmichael seine eigene Mutter über die rassistischen Zustände im Arbeitsleben interviewt. Oder - ein Höhepunkt - bei einem langen Gespräch mit der Legende Angela Davis (eine Art Sahra Wagenknecht von damals) im Gefängnis zum Thema Gewalt. Sehr persönlich schildert sie ihre seit früher Kindheit erlebte Gewalt detailliert mit den Bombenattentaten in der Nachbarschaft, den abgerissenen Gliedmaßen auf den Straßen, den ermordeten Freundinnen. Diese Aufnahmen entstanden während des Prozesses gegen Angela Davies unter einem Gouverneur Reagan und einem Präsidenten Nixon. In einer Zeit nach der Militarisierung der Bewegung, als ein veritabler Bürgerkrieg mit politischem Unrecht, politischer Justiz und Polizeigewalt losbrach. Die noch nicht verhafteten Führer von Black Power und der Black Panther-Partei flohen ins Exil. Ein Aufstand im Gefängnis von Attica, New York, wurde 1971 im Stile einer Bananenrepublik mit 39 Toten niedergeschlagen. Olsson spannt den Bogen über die - angeblich vom FBI eingeschleusten - Drogen in schwarzen Stadtteilen bis zum Erstarken der „Nation of Islam“ unter Louis Farrakhan.
„The Black Power Mixtape 1967 -1975“, die Dokumentation, genauer eine Doku-Kompilation aus alten schwedischen TV-Beiträgen, ist in ihren Originalreportagen schockierend und berührend. Die Kommentare von aktuell engagierten Künstlern legen Verbindungen zur heutigen Situation, nicht nur in den USA. Vergleiche lassen sich etwa zu den ungleichen Rechten von Israelis und Palästinensern in den besetzen Gebieten ziehen. So führt auch dieser sehr aufschlussreiche Blick zurück zu neuen Erkenntnissen über das hier und heute.
Günter H. Jekubzik aus: programmkino.de
|
|
Letzte Aktualisierung ( 02.02.2012 )
|
|
|
Die Haut in der ich wohne |
|
|
Originaltitel: La piel que habito Spanien 2011 Regie und Drehbuch: Pedro Almodóvar Darsteller: Antonio Banderas, Elena Anaya, Marisa Paredes, Jan Cornet, Roberto Álamo, Blanca Suárez, Eduard Fernández Filmlänge. 120 Minuten Web: www.diehautinderichwohne.de
Es gibt nicht viele Regisseure, denen man so blind vertrauen kann. Die gleichsam eine lebenslange Garantie für Qualität auf der Leinwand bieten und zudem bei jedem neuen Werk einen Trumpf im Ärmel haben. In seinem 18ten Film wagt Spaniens Erfolgsregisseur Pedro Almodóvar einen Ausflug ins Horror-Genre. Erstmals seit „Fessle mich“ von 1990 hat der Mann aus La Mancha seine Entdeckung Antonio Banderas wieder mit an Bord. Der gibt den schönen Schönheitschirurgen Roberto, dessen Frau bei einem Autounfall schwer verletzt wurde. Mit diesem Schicksal will sich der Arzt nicht abfinden, fortan spielt er Gott und Rächer. Ein trauriger Frankenstein schafft ein hübsches Monster – mehr darf kaum verraten werden, um den Genuss an den grandios wahnwitzigen Wendungen dieser famos inszenierten Geschichte nicht zu schmälern. Mehr Staunen über eine Story ist kaum möglich.
FILMKRITIK Professor Roberto Ledgard (Antonio Banderas) ist ein überaus erfolgreicher Schönheitschirurg, der auch bei seiner Stammzellenforschung führend ist – kleinliche Ethikkommissionen findet er da nur hinderlich. Wir schreiben das Jahr 2012, Legard hat bereits neun Gesichter erfolgreich verpflanzt und arbeitet an der künstlichen Erschaffung menschlicher Haut. In seiner abgelegenen, hinter Mauern versteckten eleganten Privatklinik ist die hübsche Vera (Elena Anaya) die einzige Patientin. Von der Haushälterin (Marisa Paredes) wird sie per Video auf Schritt und Tritt überwacht. Der Doktor verfolgt mit höchstem Interesse die Fortschritte ihrer Heilung. Doch warum wird Vera wie eine Gefangene gehalten? Und warum sieht sie Robertos bei einem Autounfall entstellten Frau so unglaublich ähnlich?
Achtung Spoilerwarnung: Wer sich von den Wendungen dieser astronomisch absurden Geschichte in vollen Zügen überraschen lassen möchte, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen, sondern zum nächsten Absatz übergehen.
|
|
Letzte Aktualisierung ( 02.02.2012 )
|
|
Weiter …
|
|
|
Aki Kaurismäkis "Proletarische Trilogie" (OmU) |
|
|
 Proletarische Trilogie Bestehend aus den zwischen 1986 und 1989 entstandenen Teilen SCHATTEN IM PARADIES (1986), ARIEL (1988) und DAS MÄDCHEN AUS DER STREICHHOLZFABRIK (1989) ist die sogenannte „Proletarische Trilogie“ bezeichnend für die frühe meisterliche Phase des Finnen Aki Kaurismäki, der die Filme selbst als „Erinnerungen an die finnische Wirklichkeit“ bezeichnet. In diesen kurzen lakonischen Dramen wird nicht viel geredet, sondern unnachahmlich mit visuellen Mitteln und Ideen großes Kino zelebriert. Wer LE HAVRE gemocht hat, wird die "Proletarische Trilogie" lieben. Abseits von der „Kulturscheiße“ (Kaurismäki) zeigt der Regisseur pointiert, ohne viel Worte, mit dem ihm eigenen kargen Stil die „kleinen“ Leute auf ihrer Suche nach ein bisschen persönlichem Glück. Der Filmrauschpalast zeigt die drei Filme einzeln vom 5.1. bis 18.1.12 sowie an den Sonntagen im Januar alle zusammen jeweils nachmittags um 16 Uhr in einer einzigen Vorstellung. Alle Filme im Original mit deutschen Untertiteln.
PRESSESTIMMEN | ZITATE „Nein, Sie werden diesen Film nicht so schnell wieder zu sehen bekommen. Er ist als Spielfilm zu kurz fürs Fernsehen oder für eine DVD (70 Minuten). Er ist zu pessimistisch, zu reduziert, aber er ist ein perfektes Anschauungsobjekt für junge Filmemacher. Vielleicht sollten Sie Filmwissenschaften studieren, und dann haben Sie hoffentlich gute Chancen ihn zu sehen, denn dieser Film ist vorbildlich in seinem Aufbau, klar in seiner Struktur, meisterlich in seiner Durchführung. Überhaupt, wer lernen will, wie das filmische Umsetzen von Geschichten – so man sie noch erzählen will – eigentlich funktioniert, im „Mädchen aus der Streichholzfabrik“ wird er ein Musterbeispiel finden und in Aki Kaurismäki einen Meister.“ Andreas Thomas (filmzentrale.com) zu DAS MÄDCHEN AUS DER STREICHHOLZFABRIK
„Einer der schönsten Filme, die ich seit Jahren gesehen habe.“ Jim Jarmusch zu SCHATTEN IM PARADIES
|
|
Letzte Aktualisierung ( 19.01.2012 )
|
|
Weiter …
|
|
|
gemein:gut - Filme mit CreativeCommons Lizenz |
|
|
|
Jeden 1. und 3. Montag im Monat präsentiert der Filmrausch in der Reihe gemein:gut Filme unter einer CreativeCommons Lizenz. Der Eintritt ist frei (Beerware).
gemein:gut im Februar 2012Montag, 27.2.2012, 20:00 Uhr
STAR WRECK: IN THE PIRKINNING (OmU) (Finnland 2005, 103 min) In STAR WRECK - IN THE PIRKINNING strandet Captian James B. Pirk - natürlich auf Mission die Welt zu retten - mit seiner Crew im 21. Jahrhundert. Der Ausweg gestaltet sich mit der primitven und technologisch zurückgebliebenen Erdbevölkerung als interessant ... Der bisher letzte Teil der von Samuli Torssonen erdachten Parodienserie auf Star Trek und die diversen Spin offs (Next Generation, Babylon 5 etc.) in Spielfilmlänge besticht vor allem durch fast professionelle Spezialeffekte. Web: www.starwreck.com Trailer: youtube.com/watch?v=R79JuYdG5KY
gemein:gut im Januar 2012Montag, 16.1.2012, 20:00 Uhr
NASTY OLD PEOPLE (OmU) (Schweden 2007, 84min)
Nasty Old People erzählt die Geschichte der 19jährigen Mette, einer jungen Neonazi und Altenpflegerin. Nachdem einer ihrer Alten von ihren Kameraden zusammengeschlagen wird, beginnt sie zu erkennen, dass hier nicht ihre Erfüllung liegt? Aber worin dann? Ein "CreativeCommonsFilm" von Hanna Sköld.
Web: www.nastyoldpeople.org Trailer: www.youtube.com/watch?v=T2R3YQlppdg
Montag, 30.1.2012, 20:00 Uhr
SITA SINGS THE BLUES (OmU)
(USA 2008, 82 Min.) Neuinterpretation des indischen Nationalepos Ramayan, allerdings erzählt aus der Sicht der Sita und verknüpft mit der Geschichte einer Frau von heute. Sehr gut gemachter Animationsfilm, erschienen unter der CC-Lizenz, von Nina Paley. Der Film lief in der Generation 14+ Reihe auf der Berlinale 2008.
Web: sitasingstheblues.com/ Trailer: www.youtube.com/watch?v=7y5_zJ1xfQs |
|
Letzte Aktualisierung ( 31.01.2012 )
|
|
|
Die Liebesfälscher (OmU) |
|
|
Frankreich 2010 Regie, Buch: Abbas Kiarostami Darsteller: Juliette Binoche, William Shimell, Jean-Claude Carriere, Agathe Natanson, Gianna Giachetti Länge: 106 Minuten Web: www.alamodefilm.de
Nach langer Abwesenheit kehrt der iranische Regisseur Abbas Kiarostami wieder auf die deutschen Leinwände zurück mit einem wunderbaren Film, der gleichzeitig die typischen Themen Kiarostamis weiterführt und in neue Richtungen weist. Juliette Binoche und der Opernsänger William Shimell spielen ein Paar, das möglicherweise doch keins ist, und reflektieren an einem Nachmittag in der Toskana über ihre vergangene oder sich gerade entwickelnde Beziehung.
FILMKRITIK Juliette Binoche und Abbas Kiarostami: eine Verbindung wie im Arthouse-Himmel gemacht. Sie ist eine der berühmtesten französischen Schauspielerinnen der letzten 20 Jahre, die sowohl in erfolgreichen Hollywood-Filmen spielte (und für „Der englische Patient“ gar den Oscar erhielt) als auch mit internationalen Regisseuren wie Krysztof Kieslowski, Hou-Hsiao Hsien oder Michael Haneke arbeitete. Er ist der wohl berühmteste iranische Regisseur unserer Zeit, der für „Der Geschmack der Kirsche“ mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde und in den letzten Jahren zunehmend experimentelle Filme drehte, die trotz aller Qualitäten nicht mehr den Weg in die deutschen Kinos fanden.
Jetzt also „Copie Conforme“, der mit einer wissenschaftlichen Konferenz beginnt, auf der der Wissenschaftler James Miller (William Shimell) sein neues Buch – das ebenso wie der Film Copie Conforme heißt – vorstellt. In ihm und damit auch im Film selbst geht es um die Frage, welchen Wert eine Kopie in Bezug auf das Original hat, wie man ein Original von einer Kopie unterscheiden kann und daraus folgend, ob es überhaupt einen Unterschied zwischen Original und Kopie, zwischen Faktischem und Fiktiven gibt.
Es sind dies die Fragen, die Kiarostami seit Beginn seiner Filmkarriere beschäftigen, die er in immer neuen Variationen thematisiert hat. Oft vermischte er in seinen Filmen Dokumentarisches mit Fiktivem, die erst im Zusammenspiel eine eigene, vielleicht größere Wahrhaftigkeit entfalteten. Diese ersten Minuten bilden eine Art ethische, theoretische Blaupause, die eine Interpretationsmöglichkeit für die folgenden Ereignisse liefern. Während des Vortrages sieht man Juliette Binoche in den Raum schlüpfen, kurze Einstellungen deuten Figurenkonstellationen an, die aber unbestimmt bleiben. Binoche heißt nur Elle, ein eher ungewöhnlicher Vorname, vor allem aber eine allgemeine Bezeichnung für „sie“, die Frau. Elle ist eine Journalistin, die Miller zu einem Interview trifft. Zunächst wirkt das Gespräch ganz normal, im Sinne von ganz professionell. Man plaudert über die Thesen des Buches, die Intentionen des Autors, zunehmend entwickelt sich eine flirtartige Atmosphäre, die den Anschein erweckt, dass die beiden sich kennen, dass das ganze Gespräch nur eine Scharade ist, ein Spiel zwischen zwei sehr vertrauten Menschen, vielleicht sogar zwischen einem Ehepaar.
Immer intimer werden die Unterhaltungen, immer emotionaler wird die Verbindung der beiden. Äußere Einflüsse begünstigen die Entwicklung: Eine Bedienung, die sie für ein Ehepaar hält, eine Hochzeitsfeier, an der sie im Laufe des Tages in der Toskana vorbeikommen. Mehr und mehr scheint die Fassade, die die anfängliche distanzierte Unterhaltung scheinbar war, wegzubrechen und ein Ehepaar zu offenbaren, dass sich durch zeitintensive berufliche Beschäftigungen und einen Sohn im Teenager-Alter auseinander gelebt hat. Vielleicht aber auch nicht. Wie genau James und Elle zueinander stehen, bleibt auch am Ende des Films offen, eine klare Antwort verweigert Kiarostami dem Zuschauer und führt damit konsequent die Ausgangsthese zu Ende: Die Schwierigkeit zwischen Original und Fälschung, zwischen echten und gespielten Emotionen zu unterscheiden.
Dass „Copie Conforme“ nicht zu einer abstrakten Kopfgeburt wurde, sondern ein faszinierender, vielschichtiger Film ist, verdankt sich nicht zuletzt dem Spiel der beiden Hauptdarsteller. Mit großer Leichtigkeit vollbringen sie das Kunststück, authentisch und überzeugend zu wirken, auch wenn man stets zweifelt, ob sie gerade spielen oder echte Emotionen empfinden. Wobei natürlich auch die im Kontext des Films gespielt wären, womit die ganze Komplexität dieses Films deutlich wird.
Michael Meyns
aus: programmkino.de
|
|
Letzte Aktualisierung ( 02.01.2012 )
|
|
|