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Inglourious Basterds (OmU) |
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07.10.2009 |
Deutschland/USA 2009 Regie: Quentin Tarantino Buch: Quentin Tarantino Darsteller: Christoph Waltz, Brad Pitt, Diane Kruger, Mélanie Laurent, Daniel Brühl, Til Schweiger, August Diehl Kamera: Robert Richardson Schnitt: Sally Menke 154 Minuten, Farbe Web: www.inglourious-basterds.de
Quentin Tarantino schreibt die Geschichte des Zweiten Weltkriegs um: In „Inglourious Basterds“ schickt er eine Gruppe jüdischer US-Elite-Soldaten auf die Jagd nach Nazi-Skalps und erzählt darüber hinaus einmal mehr eine Rachegeschichte aus weiblicher Sicht, bei der eine junge Jüdin plant, die in ihrem Kino versammelte Nazi-Elite auszulöschen. Mit vielen Filmzitaten, aber längst nicht so splatterblutig wie erwartet, spielt der in Deutschland gedrehte und mit zahlreichen einheimischen Darstellern besetzte Film zunächst einige etwas zu lang geratene Dialogsequenzen aus. Dann aber mündet er in einen tollkühnen wie explosiven Showdown, der die Macht des Kinos feiert. Herausragend ist Christoph Waltz in der Rolle als eleganter, sadistischer und sprachgewandter SS-Oberst Landa, für die er dieses Jahr in Cannes den Darstellerpreis erhielt.
FILMKRITIK All das, was vorab von „Inglourious Basterds“ zu sehen oder zu hören war, führte letztlich doch ein wenig in die Irre und schürte vielleicht auch falsche Erwartungen. Man konnte sich schließlich schon eine große Schlachtplatte und Splatterorgie ausmalen bei dem Gedanken an eine Gruppe jüdisch-amerikanischer Nazi-Jäger, den Basterds, die Nazi-Skalps im von Deutschland besetzten Frankreich schälen. Aber Tarantino hält sich hier doch mit Gewaltexzessen spürbar zurück, während er diesmal dem Kriegsfilm seinen postmodernen und dialogintensiven Stempel aufdrückt und nach „Kill Bill“ abermals eine weibliche Rachefantasie erzählt.
Dabei läuft die Geschichte im Kino der jungen Jüdin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) zusammen, die einst die Hinrichtung ihrer Familie durch den Nazi-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz) miterleben musste. Damals konnte sie in letzter Sekunde entkommen und nach Paris fliehen, wo sie eine neue Identität annahm – und das Kino betreibt, in dem das Schicksal des Führers und der Nazi-Elite bei der Vorführung eines Propagandafilms besiegelt werden soll.
Inspiriert von Enzo Castellaris „Ingloriuous Bastards” von 1978 hat Tarantino seinen Film in Sachsen und den Babelsberger Studios in Potsdam gedreht. Auch die Darsteller von Daniel Brühl über August Diehl bis hin zu Til Schweiger, die neben dem grimassierenden Ober-Basterd Brad Pitt in Erscheinung treten, sind zu großen Teilen deutschsprachig. Zusammen mit den französischen und amerikanischen Darstellern seines überwiegend starken Ensembles arrangiert Tarantino seinen Kriegsfilm mit einer Vielsprachigkeit, die sich vor allem auch im grandiosen Christoph Waltz widerspiegelt, der als überhöflich sadistischer, multisprachlich begabter SS-Offizier Landa hochverdient in Cannes eine Auszeichnung als bester Darsteller bekam.
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Letzte Aktualisierung ( 05.11.2009 )
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Maria, ihm schmeckt's nicht |
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07.10.2009 |
Deutschland, Italien 2009 Regie: Neele Leana Vollmar Darsteller: Lino Banfi, Christian Ulmen, Mina Tander, Maren Kroymann, Gundi Ellert, Peter Prager, Paolo de Vita, Ludovica Modugno, Lucia Guzzardi, Nino Bellomo, Leonardo Nigro, Pierluigi Ferrandini,Sergio Rubini Drehbuch: Daniel Speck, Jan Weiler Länge: 96 Minuten Web: www.maria.film.de
Unbelastet von deutsch-romantischer Italophilie spielt die erfrischende Cultur-Clash Komödie „Maria ihm schmeckt´s nicht“, nach dem gleichnamigen Bestseller von Jan Weiler, gewitzt mit Sprach- und Nationenstereotypen. Mit den herrlich komischen Anekdoten über seine italienische Verwandtschaft begeisterte der ehemalige Journalist bereits Millionen von Lesern. Jetzt inszeniert Familienfilmerin Neele Leana Vollmar genussvoll die turbulente Hochzeitsgeschichte um kulturelle Differenzen zwischen „Dolce Vita“ und nationalen Klischees. Zusammen mit dem italienischen Komödienstar Lino Banfi läuft der rheinländische Schauspieler und Entertainer Christian Ulmen zu Höchstform auf.
FILMKRITIK Campobello, eine kleine Stadt in Apulien. In den engen, verwinkelten Gassen rammt ein typischer dreirädriger Ape-Minilaster an der Kreuzung ein weißes VW Karmann Ghia Cabrio. „Sie sehen doch, hier, bitte schön, meine Möse blinkt“ radebrecht der linkische Jan (Christian Ulmen) verzweifelt. „Möse an, Möse aus, Möse an, Möse aus.“ Mit dem Wörterbuch in der Hand versucht der akribische Sachbuchlektor seine Unschuld zu beweisen. Aufgeregt vertauscht er dabei vor versammelter Menge die Wörter Blinker „freccia“ und Möse „fregna“. Sein Erklärungsversuch löst bei den italienischen Ortsbewohnern Lachsalven aus. „Ich kenne den nicht“, wehrt sich Antonio Marcipane (Lino Banfi), sein italienischer Schwiegervater in spe, der seinen Heimatort Campobello einst Richtung Deutschland verlassen musste. In diesem peinlichen Moment möchte der ehemalige „Gastarbeiter“ nichts mit dem Tedesco zu tun haben.
Szenen wie diese zählen zu den skurrilen Höhepunkten der temporeich und witzig inszenierten Sommerkomödie. Immer wieder spielt der Film äußerst humorvoll mit deutsch italienischen Missverständnissen. Nichtsdestotrotz ist das Ganze eine fröhliche Liebeserklärung an die italienische Lebensart und die italienische Großfamilie. Denn der kluge Charme von „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ liegt in seinem offensiven Umgang mit Stereotypen. Klischeebilder werden nicht komisch übersteigert, um ad absurdum geführt zu werden, sondern um ihren wahren Kern offen zu legen. Das hat durchaus etwas Befreiendes. Schließlich überwindet am Ende selbst Patriarch Antonio seine Vorbehalte gegenüber seinem etwas blassen deutschen Schwiegersohn.
Doch angefangen hat alles ganz harmlos. Eigentlich wollte Jan die Deutsch-Italienerin Sara (Mina Tander) nur standesamtlich heiraten. Ganz unspektakulär. Aber sein zukünftiger Schwiegervater, der 1965 als Fremdarbeiter nach Osnabrück kam und eine Deutsche (Maren Kroymann) heiratete, entdeckt seine italienische Seele wieder. Strikt verlangt der Papa für sein Töchterchen eine traditionelle Hochzeit in seinem Heimatort in Süditalien. Also reist Jan mit den Marcipanes nach Campobello, um die große Familienfeier mit der gesamten Sippe vorzubereiten.
Schnell ist klar, dass mit der Hochzeit der beiden ein kulturpsychologischer Kraftakt verbunden ist. Konfrontiert mit südländischem Temperament, apulischer Küche, die keine Rücksicht auf seine Meeresfrüchteallergie nimmt, weichen Betten, in denen er einsam versinkt und chaotischer Bürokratie verliert Jan schon bald die Nerven. Am Hochzeitsmorgen umkreist er deshalb – noch im Pyjama - völlig aufgelöst mit seinem Auto das Ortsschild von „Campobello“. Flüchten oder standhalten, so die Frage. In einer großangelegten Rückblende erzählt der gestresste Hochzeiter den Zuschauern, wie es dazu kommen konnte, dass er nur noch eines wollte – nämlich zurück nach Deutschland.
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Letzte Aktualisierung ( 25.10.2009 )
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Sholay (Omu) - OpenAir 11.9.2009, 21 Uhr |
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11.09.2009 |
(Indien 1975, 199 min.) R: Ramesh Sippy D: Amitabh Bachchan, Dharmendra, Amjad Khan
imdb wikipedia amazon trailer
PRESSESTIMMEN "Ein Meilenstein des indischen Kinos in dem alles stimmt. Große Stars, kultige Dialoge, stilprägende Kameraarbeit und ein Soundtrack voller Ohrwürmer. Ein perfekter Einstieg für jeden Bollywood-Neuling." - BBC
"Der in jeder Hinsicht erfolgreichste Bollywoodfilm aller Zeiten" - The New York Times
KRITIK Die beiden Vagabunden Veera (Dharmendra) und Jaidev (Amitabh Bachchan) werden von dem ehemaligen Polizeioffizier Thakur Baldev Singh (Sanjeev Kumar) angeheuert um für diesen Rache an dem Banditen Gabbar Singh (Amjad Khan) zu nehmen.
Der an den Kinokassen erfolgreichste Film Indiens, SHOLAY von 1975, was auf deutsch soviel wie "Glut" oder "Flammen" heißt, wurde von der BBC 1999 zum "Film des Jahrtausends" gekürt. Als 70 mm Film gedreht, begründet SHOLAY das sogenannte Genre des Curry Western, der indischen Antwort auf den Italo Western. Ebenso unbedarft wie zielstrebig plündert dieser Film die westliche Filmgeschichte und den Western. Beginnend mit der ersten Stunde des Films mit einem Zitat der Brüder Lumiere (DIE ANKUNFT EINES ZUGES AUF DEM BAHNHOF IN LA CIOTAT), in welcher die Figuren eingeführt werden, bis sie den eigentlichen Ort der Handlung, ein Dorf in wüstenhaften Bergen, erreichen, in dem sich dann die ganze Tragweite des Racheplots entwickeln wird.
Während die erste Hälfte des Films ein ausgiebiges Feuerwerk an exzellenten Komikern zu bieten hat, inklusive eines an Chaplins großen Diktator angelehnten Gefängnisdirektoren, treten diese Elemente in der zweiten Hälfte zugunsten der Action und Dramatik in den Hintergrund. So behaupten große Teile der indischen Filmkritik, mit dem Banditen Gabbar Singh sei das erste Mal das absolute Böse auf der indischen Leinwand erschienen. Kein Wunder, denn der von Amjad Khan großartig dargestellte Bandit ist sich für keinen Frevel, keine Schändung und keine Brutalität zu schade. Als Vorbilder aus dem Western dienten unter anderem DAS WAR DER WILDE WESTEN (u.a. John Ford) für eine Rückblende auf einen Zugüberfall, DIE RÜCKKEHR DER GLORREICHEN SIEBEN von Burt Kennedy für die Situation im von Banditen belagerten Dorf Ramgarh und George Roy Hills BUTCH CASSIDY AND THE SUNDANCE KID für den unglaublichen Showdown.
Torsten Dorow |
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Letzte Aktualisierung ( 11.09.2009 )
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13.08.2009 |
Deutschland 2008 Regie, Produktion & Drehbuch: Maren Ade Mit Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka Laufzeit: 119 Minuten Web: www.alle-anderen.de
Ein Sommerurlaub in einem idyllischen Ferienhaus stellt die noch junge Beziehung eines gegensätzlichen Paares schon bald auf eine harte Probe. Filmemacherin Maren Ade („Der Wald vor lauter Bäumen“) beleuchtet in ihrem preisgekrönten Berlinale-Beitrag das Gemeinsame und Trennende einer scheinbar modernen Beziehung, in der sich beide Partner einer trügerischen Illusion hingeben. In den Hauptrollen brillieren die mit einem „Silbernen Bären“ ausgezeichnete Birgit Minichmayr und ihr Kollege Lars Eidinger.
PRESSESTIMMEN ...nicht bloß ein packender und oft peinigend realistischer Film, der sich nach Auskunft der Regisseurin lose am Vorbild von Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe" orientiert, sondern er ist vor allem ein aufschlussreiches, of auch lustiges soziologisches Dokument: als klug beobachtete Bestandsaufnahme des Liebeslebens der Um-die-30-Jährigen am Ende der Zweitausendnuller-Jahre. Der Spiegel
FILMKRITIK Die alte Floskel, wonach Gegensätze sich anziehen, trifft auch auf Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) zu. Beide Anfang 30, sie eine quirlige, selbstbewusste Frau, er ungefähr im selben Alter und dabei doch oftmals in sich gekehrt, melancholisch, zweifelnd an sich, seiner Männlichkeit und seinen Fähigkeiten als Architekt. Sie sind noch nicht lange ein Paar, als sie beschließen, im Ferienhaus von Chris’ Eltern auf Sardinien ihren ersten gemeinsamen Sommerurlaub zu verbringen. Dort möchten sie einige unbeschwerte Wochen verleben. Tatsächlich schleichen sich schon bald erste Misstöne in das junge Liebesglück ein. Unerfüllte Sehnsüchte und subtile Machtspiele belasten das Miteinander, was sich zunächst aber weder Gitti noch Chris eingestehen wollen. Als Chris jedoch einen alten Studienkollegen (Hans-Jochen Wagner) trifft, der im Gegensatz zu ihm mit sich und seiner Arbeit vollkommen im Reinen zu sein scheint, melden sich nicht nur bei ihm erste Zweifel an. Plötzlich glaubt auch Gitti, das sie sich für Chris ändern muss.
Fünf Jahre nach „Der Wald vor lauter Bäumen“ meldet sich Filmemacherin Maren Ade mit einer unglaublich genau beobachteten Liebesgeschichte zurück. „Alle Anderen“, der auf der diesjährigen Berlinale den „Großen Preis der Jury“ erhielt, lenkt bereits mit dem Titel die Aufmerksamkeit auf den entscheidenden Stolperstein in Gittis und Chris’ Beziehung. Als Paar vergleicht man sich zwangsläufig mit anderen Paaren und erliegt dabei nur zu leicht der Illusion, dass deren Miteinander weitaus harmonischer, unkomplizierter und liebevoller verläuft. Aber auch das Gegenteil, dass man nie so werden will wie alle anderen, kann für eine Beziehung zur Belastung werden. Gitti und Chris versuchen den Spagat. Zwar wollen sie mit den alten, eigentlich längst ausrangierten Rollenbildern brechen, in bestimmten Situationen fallen sie dann jedoch exakt in diese Verhaltensmuster zurück. So glaubt Gitti, sie müsse sich anpassen und zu ihrem Freund voller Bewunderung aufschauen.
Mit jeder Einstellung, jedem Dialog und jeder Geste seziert Maren Ade das junge Glück, dessen Risse erst nach und nach sichtbar werden. Der Versuch, diese Bruchstellen so gut es geht zu kitten, löst in Chris und Gitti nur noch mehr Unbehagen aus. Auf einmal ist sie weg, diese kindlich-naive Unbekümmertheit, die beide zu Beginn des Films fast schon demonstrativ zur Schau stellen und die Ade in herrlich banale Dialoge verpackt. Viel zu schnell, so hat es den Anschein, müssen sie in ihrer Beziehung erwachsen werden, Verantwortung übernehmen und (über-)fällige Entscheidungen treffen.
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Letzte Aktualisierung ( 08.10.2009 )
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