Home arrow Programm
Programm
O'Horten PDF Drucken E-Mail
12.03.2009
ImageNorwegen 2007
Regie: Bent Hamer
Buch: Bent Hamer
Darsteller: Bard Owe, Espen Skjonberg, Ghita Norby, Henny Moan, Bjorn Floberg, Kai Remlow, Per Jansen
Länge: 106 Minuten, Format: 1:1,85
Web: pandorafilm.de

Nach einem kurzen Exil in Amerika, wo er die Bukowski-Verfilmung „Factotum“ drehte, kehrt Bent Hamer zurück in seine norwegische Heimat und dem Stil seines bislang erfolgreichsten Films „Kitchen Stories“. In perfekt komponierten, meist statischen Bildern beschreibt „O’Horten“, wie die Titelfigur, ein Lokomotivführer, mit dem Übergang vom Berufsleben zur Rente umgeht. Stilistisch erreicht Hamer dabei die Klasse seines offensichtlichen Vorbildes Aki Kaurismäki, bevorzugt jedoch einen deutlich weniger satirischen Blick auf die Welt als der Finne.


FILMKRITIK


Odd Horten (Bard Owe) steht kurz vor der Pensionierung. 40 Jahre ist er Zugführer, 40 Jahre, in denen jede Handbewegung, jede Fahrt, ja, sein ganzes Leben, zur Routine geworden ist. Hortens Strecke führt ihn von Oslo nach Bergen, durch schneebedeckte Landschaften, die die Monotonie seiner Handlungen noch augenfälliger machen. In Bergen übernachtet er in der kleinen Pension der gleichaltrigen Fru Thogersen (Ghita Norby), die ihm offenbar seit Jahren das immergleich Abendbrot serviert, ein paar Takte sagt und Horten schweren Herzens allein lässt. Am Abend vor seiner letzten Fahrt nimmt Horten eher widerwillig an einer Feier zu seinen Ehren teil. Für seine Lebensleistung erhält er ein kleines, silbernes Modell einer Lokomotive und darf bizarr anmutende Eisenbahner-Grüße über sich ergehen lassen.

Mit feinem Humor zeigt Bent Hamer, der freimütig zugibt, als kleiner Junge selbst von einer Karriere als Lokomotivführer geträumt zu haben, die leicht autistisch wirkenden Eisenbahner. Zur Unterhaltung spielen diese sich Geräusche von Lokomotiven und Bahnhöfen vor, die besonders Horten sachkundig erkennt. Doch der Abend nimmt eine überraschende Wendung: Durch allerlei bizarre Umstände gerät Horten in das Schlafzimmer eines kleinen Jungen, der ihn partout nicht gehen lassen will. Und so passiert das Unvorstellbare: Horten, der Inbegriff der Zuverlässigkeit, verpasst seinen Zug - ausgerechnet seinen letzten.

Letzte Aktualisierung ( 27.03.2009 )
Weiter …
 
So finster die Nacht PDF Drucken E-Mail
26.02.2009
ImageOT: Låt den Råtte komma in
Schweden 2008
Regie: Tomas Alfredson
Drehbuch: John Ajvide Lindqvist
Mit Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, Karin Bergquist, Peter Carlberg
Laufzeit 114 Minuten
Webseite: mfa-film.de

Mein Nachbar, der Vampir. Bereits auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest erntete der schwedische „So finster die Nacht“ begeisterte Publikumsreaktionen. Die Verfilmung eines Romans von John Ajvide Lindqvist vollzieht den Spagat zwischen zwei Genres, zwischen Vampir-Story und Coming-of-Age-Drama. Dabei nahm sich Regisseur Tomas Alfredson viel Zeit für seine jugendlichen Protagonisten, um deren Seelenleben und Befindlichkeiten sein Film vornehmlich kreist.


FILMKRITIK


Der schwedische Winter verdient noch diese Bezeichnung. Im hohen Norden sind nicht nur die Nächte um diese Jahreszeit kalt und lang, auch tagsüber bleibt es zumeist frostig und trist. Der zwölfjährige Oskar (Kåre Hedebrant) ist in dieser Umgebung aufgewachsen. Als Scheidungskind lebt er zusammen mit seiner Mutter in einer trostlosen Mietsiedlung. Oskars Probleme unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer Heranwachsender. Er fühlt sich oft unverstanden und alleine. Hinzu kommt, dass ihn Mitschüler fortlaufend schikanieren und verspotten. Nur zu gerne würde er einmal zurückschlagen, allerdings fehlte ihm dazu bislang immer der Mut.

Das ändert sich, als Eli (Lina Leandersson) in die Nachbarwohnung einzieht. Das blasse Mädchen lebt zurückgezogen. Nur nachts verlässt sie für kurze Zeit das Haus. Der Grund dafür klingt im ersten Moment reichlich abenteuerlich: Eli ist ein Vampir. Doch davon ahnt Oskar nichts. Er sucht vielmehr ihre Nähe, vermutlich auch deshalb, weil sie ihn als einzige wirklich versteht. Es scheint fast so, als ob sich in der tief verschneiten schwedischen Provinz zwei „Freaks“ gesucht und gefunden haben. Und während Eli und Oskar sich allmählich näher kommen, werden die Probleme um sie herum immer größer und unkontrollierbarer.

Die Idee, eine Vampir-Geschichte mit einer klassischen Coming-of-Age-Thematik zu kreuzen, ist wahrlich originell. Dabei liegt ein solcher Ansatz eigentlich recht nahe, bedenkt man, dass in beiden Genres die Erforschung der eigenen Identität und die Probleme des Andersseins zentrale Motive darstellen. Regisseur Tomas Alfredson wagte sich nun an das genre-übergreifende Experiment. Sein Film fängt bereits mit den ersten Aufnahmen den rauen, spröden Charme des nordischen Winters ein, der zugleich die Stimmung der ruhig erzählten Außenseiter-Geschichte vorgibt. Überhaupt schlägt „So finster die Nacht“ über die gesamte Laufzeit ein recht gemächliches Tempo an.

Letzte Aktualisierung ( 12.03.2009 )
Weiter …
 
Burn after reading (OmU) PDF Drucken E-Mail
30.01.2009
ImageRegie, Drehbuch, Produktion: Joel Coen, Ethan Coen
Kamera: Emmanuel Lubezki
Musik: carter Burwell
Mit George Clooney, Frances McDormand, John Malkovich, Brad Pitt, Tilda Swinton, Richard Jenkins, Elizabeth Marvel, J.K. Simmons
Laufzeit 95 Minuten
Webseite: www.burnafterreading-derfilm.de

Im Universum der Coen-Brüder wimmelt es nur so von verschrobenen Typen, die blindlings in ihr Verderben rennen. Auch Burn after Reading, der auf dem Filmfestival von Venedig seine Weltpremiere erlebte, fühlt sich dieser Tradition verpflichtet. Als eine CD mit brisantem Geheimdienstmaterial in die falschen Hände gerät, nimmt das Unheil für zwei Angestellte eines Fitness-Studios seinen Lauf. Bei den turbulenten Verwicklungen zwischen Fitness-Umkleide und Regierungsviertel mischen neben den alten Coen-Weggefährten George Clooney und Frances McDormand auch Brad Pitt und John Malkovich kräftig mit.
Uneingeschränkt empfehlenswert!


PRESSESTIMMEN


Dummheit als sittlicher Defekt und Anstoß für eine herzlos bissige US-Zeitgeistsatire um das Streben nach mehr Glück von einer Handvoll trüber Figuren, die in schöner "Fargo"-Manier vor lauter Selbstüberschätzung sich und andere in Grund und Boden rammen. Glanzvoll besetzt, vor allem Brad Pitt erfreut als stramme Fitness-Frohnatur ohne Durchblick.
Kultur-Spiegel

Weitere Pressestimmen auf film-zeit.de ...

 

FILMKRITIK


Die Zutaten: Eine CD mit vermeintlich brisanten Geheimdienstinformationen, eine sehnsüchtig erwartete Schönheits-OP, zwei kaputte Beziehungen, ein Dutzend heimliche Affären. Das Personal: Ein frustrierter Ex-CIA-Agent, eine untreue Ehefrau, ein sexuell umtriebiger Regierungsbeamter und zwei Fitnesstrainer, die sich als Möchtegern-Erpresser versuchen. Alles zusammen ergibt einen herrlich absurden, schwarzhumorigen Cocktail, der für alle Beteiligten und den Zuschauer die eine oder andere Überraschung bereithält. Burn after Reading heißt das unterhaltsame Gemisch, mit dem die Joel und Ethan Coen höchstwahrscheinlich an den Erfolg ihres Oscar-gekrönten, lakonischen Noir-Thrillers No Country for Old Men anknüpfen dürften.

Dabei stand am Anfang eine denkbar einfache Idee. Die Coens wollten wieder mit George Clooney zusammen arbeiten, mit dem sie bereits zwei Filme – namentlich O Brother, Where Art Thou? und Ein (un)möglicher Härtefall – abgedreht hatten. Auch Brad Pitt und John Malkovich standen auf ihrem Wunschzettel ganz oben. Also erdachten sie für ihre Traumbesetzung die passenden Rollen und eine Geschichte, in deren Verlauf sich die Wege ihrer Figuren mehrfach kreuzen sollten.

Das Schlamassel nimmt seinen Lauf, als das Manuskript mit den Memoiren des geschassten CIA-Agenten Ozzie Cox (John Malkovich) in die Hände zweier leicht trotteliger, aber dennoch liebenswerter Fitnesstrainer fällt. Linda (Frances McDormand) träumt von einer umfassenden Verjüngung ihres in die Jahre gekommenen Körpers, wofür ihr allerdings bislang das nötige Kleingeld fehlte. Mit der CD als Pfand und der Hilfe ihres iPod-süchtigen Kollegen Chad (Brad Pitt) startet sie einen erschreckend amateurhaften Erpressungsversuch.

Letzte Aktualisierung ( 26.02.2009 )
Weiter …
 
Willkommen bei den Scht'is PDF Drucken E-Mail
30.01.2009
ImageFrankreich 2008
Regie: Dany Boon
Buch: Dany Boon, Alexandre Charlot, Franck Magnier
Darsteller: Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix, Anne Marivin, Philippe Duquesne, Guy Lecluyse, Patrick Bosso
Länge: 106 Minuten, Format: 1:2,35
Webseite: www.willkommen-bei-den-schtis.de

Eigentlich eine ganz einfache, schlichte Geschichte über kulturelle Missverständnisse, aber Dany Boons „Willkommen bei den Sch’tis“ hat sich in Frankreich zu einem kulturellen Phänomen entwickelt. Sagenhafte 20 Millionen Zuschauer haben den Film seit seinem Start Ende Februar gesehen, nur die „Titanic“ war erfolgreicher. In diese Sphären wird der Film in Deutschland sicher nicht vordringen, aber die universelle Thematik der Geschichte, die Boon mit zum Teil überraschendem Witz anreichert, dürfte auch hier viele Freunde finden.


PRESSESTIMMEN


"Ein echtes Kinovergnügen!"
ZDF Heute Journal

"Eine liebenswert-charmante Wohlfühl-Komödie."
KulturSPIEGEL


FILMKRITIK


Während er in Frankreich durch etliche Kinorollen und Auftritte als Stand-Up Komiker schon seit längerem ein Star ist, fiel er in Deutschland vor allem mit seiner Rolle als herzensguter Taxifahrer in Patrice Leconte „Mein bester Freund“ auf. Dort spielte er einen schlichten Mann, der einem arroganten Kunsthändler beibringt, was im Leben wirklich zählt. „Willkommen bei den Sch’tis“ ist letztendlich exakt die gleiche Geschichte, ein wenig gefälliger und weniger bösartig.

Wieder ist es ein leicht snobistischer Mann, der auf drastische Weise von seinen Vorurteilen geheilt wird. Der Konflikt findet diesmal jedoch nicht zwischen unterschiedlichen Schichten in Paris statt, sondern zwischen dem südlichen Frankreich und dem Norden. Zwar dürften nur dem frankophilen Zuschauer die Details dieser Aversion bekannt sein, dem Verständnis des Films tut dies keinen Abbruch. Denn Boon erzählt stets an der Grenze zum plakativen, zeichnet grobe Vorurteile, die er in ans klamaukhafte grenzenden Szenen ausspielt.

Als der Postbeamte Philippe (Kad Merad) aus dem Süden nach Bergues, einem Kaff im Norden, versetzt wird, kommt das für ihn und seine Familie einem Aufenthalt auf einer Sträflingsinsel gleich. Bitterkalt soll es dort oben sein, unzivilisiert und voll von Alkoholsüchtigen. Zum Abschied wird Philippe von seiner Frau also in einen dicken Parka gepackt, der auch der Antarktika genügen würde, die Polizisten, die ihn wegen zu langsamen Fahren anhalten, lassen ihn ohne Verwarnung weiterfahren und beim Überfahren der Ortsgrenze fängt es schlagartig an zu regnen.

Letzte Aktualisierung ( 12.02.2009 )
Weiter …
 
Waltz with Bashir PDF Drucken E-Mail
09.12.2008

ImageDeutschland/Frankreich/Israel 2008
Regie und Drehbuch: Ari Folman
90 Minuten, Farbe
Web: waltz-with-bashir.pandorafilm.de

Weil Ari Folmans Erinnerung an die Zeit des ersten Libanonkrieges in den 80er Jahren verblasst ist, begibt er sich in seinem dritten Film „Waltz with Bashir“ auf eine Spurensuche. Das Besondere daran ist die Form, die der Regisseur und ehemalige israelische Soldat gewählt hat: Seine aufgenommenen, aber später nachgezeichneten Interviews mit einstigen Weggefährten verschmilzt er darin mit apokalyptischen, surrealen Bildern zu einem „animierten Dokumentarfilm“. Das außergewöhnliche, kraftvolle Werk wurde von der Kritik in Cannes zwar hoch gelobt, ging bei der Preisvergabe aber unverständlicherweise komplett leer aus.


PRESSESTIMMEN

...auf film-zeit.de

 

FILMKRITIK


Ein Rudel mit 26 Hunden jagt laut durch die Stadt. Zu einer aufreibend pumpenden Musik rennen sie durch die Straßen, bellen aggressiv, sind ausgemergelt und furcheinflößend und stoppen plötzlich vor einem Fenster. Mit diesem Alptraum beginnt Ari Folmans „Waltz with Bashir“. Ein Freund berichtet ihm von diesem Traum, der immer wiederkehrt und von dem sie vermuten, dass er zu ihrer Zeit als israelische Soldaten im ersten Libanonkrieg in den frühen 80er Jahren zurückführt. Ihre Erinnerung an die Kriegserlebnisse und die brutalen, von israelischer Seite gebilligten Massaker der christlichen Phalangisten in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila sind allerdings stark verblasst. Deshalb will der ehemalige israelische Soldat und Filmregisseur Folman seine Lücke im Gedächtnis und die Auswirkungen der Massaker wieder zu füllen.

Diese Suche nach der verschütteten Erinnerung ist die Ausgangssituation für den ungewöhnlichen Animationsfilm „Waltz with Bashir“. Die Form, die der Regisseur dafür gewählt, ist ungewöhnlich: Folman selbst bezeichnet sein in Cannes gefeiertes, bei der Preisvergabe aber völlig übergangenes Werk als einen animierten Dokumentarfilm. „Erinnerung ist dynamisch“, heißt es im Film. „Man füllt die Löcher einfach mit Dingen, die nicht passiert sind.“ Deshalb und weil es so gut wie kein Archivmaterial zu den Ereignissen gibt, hat er die Erinnerungen visualisiert und verschmilzt sie mit Gesprächen mit einstigen Weggefährten und Freunden – ohne dabei allerdings den historischen Kontext näher zu erläutern.

Die hat Folman aufgenommen und ließ auch sie nachträglich im Stil von Richard Linklaters „A Scanner Darkly“ nachzeichnen. Wie Marjane Satrapi, die mit „Persepolis“ ihre eigene Geschichte und damit verknüpft die des Irans zeigte, wählt Folman die gezeichneten Bilder. Allerdings begegnet sein Film dem Thema nicht wie Satrapi mit viel schwarzem und aufmüpfigem Humor, sondern entwirft dunkle, surrealistische Visionen einer Hölle auf Erden, die es damals vor über 20 Jahren wirklich gab. Immer wieder zeigt Folman dabei die albtraumhafte Szene, in der nackte, junge Männer zum harten Takt der Musik nachts aus dem Meer steigen, am Strand ihre Uniformen anlegen und wie Kampfmaschinen zu ihrem Einsatz zurückkehren. Es sind solche kraftvoll beunruhigenden Bilder aus Folmans außergewöhnlichem Experiment, die sich nur schwer abschütteln lassen und lange nachwirken.

Sascha Rettig

 

Letzte Aktualisierung ( 30.01.2009 )
Weiter …
 
<< Anfang < Vorherige 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Nächste > Ende >>

Ergebnisse 37 - 45 von 112