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Dr. Alemán PDF Drucken E-Mail
23.10.2008

ImageDeutschland 2008
Regie: Tom Schreiber
Buch: Tom Schreiber & Oliver Keidel
Darsteller: August Diehl, Marleyda Soto, Andrés Parra, Hernán Méndez, Victor Villegas
Länge: 106 Minuten
Web: www.dr-aleman.com

Ein deutscher Medizinstudent reist für sein praktisches Jahr in die kolumbianische Stadt Cali. Zahlreiche Opfer alltäglicher Bandengewalt muss er im Krankenhaus versorgen wobei die Hierarchien im überfüllten OP-Saal schnell verflachen. Zum Gewissenskonflikt kommt es, als ihm ein lokaler Drogenbaron ein unmoralisches Angebot macht. August Diehl ist in diesem bewegenden Slum-Drama in der Hauptrolle zu sehen.


PRESSESTIMMEN


Mit schriller Komik, emotionaler Dichte und intensiven Bildern lotet der Film die Geschichte einer großen Liebe und einer persönlichen Katastrophe aus. Statt Ghetto-Kitsch und Favela-Romantik liefert er eine Art deutscher Version von Fernando Meirelles' hoch gelobter Milieustudie "City of God".
Titel Thesen Temperamente - ARD

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FILMKRITIK


Ganz behutsam zieht er mit der Zange die Patrone aus der tiefen Wunde. Die Arterie verfehlt er mit dem Skalpell nur knapp, trotzdem schießt das Blut über seine zitternden Hände. Marc ist hoffnungslos unterqualifiziert, trotzdem darf er operieren, denn er ist „Dr. Alemán“, der deutsche Doktor, wie ihn alle mit einem Hauch von Ehrfurcht nennen. Dabei ist Marc nur Student, der im kolumbianischen Cali sein praktisches Jahr absolviert und standesgemäß begrüßt wird. An seinem ersten Tag wird er mit Hitlergruß empfangen. Diesen Marc, gespielt von August Diehl (der im Film fließend Spanisch spricht), zeigt Regisseur Tom Schreiber als müden aber glutäugigen Draufgänger aus gutem Hause, der im berüchtigten Kolumbien nun auf ein wenig Thrill und Abenteuer aus ist, wohl auch deshalb, weil der deutsche Akademikeralltag ihn zutiefst langweilt.

Die erste halbe Stunde erinnert zuweilen an die dokumentarische Härte und Nähe von „City of God“, so dicht dran ist Tom Schreiber am harten Straßenalltag von Siloé, einem der ärmsten Viertel von Cali. Hier zwischen Bretterbuden und Wellblechhütten sucht der fremde Mediziner nach Authentizität, die Nähe zu Einheimischen und der entwaffnenden Ehrlichkeit der Armut, abseits seiner Kollegen, die alle der Oberschicht angehören und sich in ihren Anwesen hinter großen Sicherheitszäunen verstecken. Die Diskrepanz zwischen den Klassen, die Nichtexistenz einer Mittelschicht und vor allem die Tatsache, dass Marc der alltäglichen Gewalt ausgeliefert ist, arbeitet Tom Schreiber zum Hauptkonflikt seiner Geschichte heraus. Und die konzentriert sich voll und ganz auf ihren Protagonisten. Zwar werden ein Dutzend Nebencharaktere eingeführt, die aber alle merkwürdig blass und oberflächlich bleiben. Wohl ein absichtlicher Versuch die zunehmende Ohnmacht der fremdelnden Hauptfigur noch mehr zu verstärken.

Viel mehr ist „Dr. Alemán“ eine ernüchternde Beobachtung über die Spirale von urbaner Gewalt in Lateinamerika. Die Figuren sind lediglich Spielbälle der lokalen Gangs und Polizei, die sich längst über bestehende Gesetze hinweggesetzt haben. August Diehls Rolle, die auf den Erfahrungen eines Freundes von Tom Schreiber basiert, zeigt exemplarisch, wie trügerisch und naiv der Glaube an die vermeintliche Unantastbarkeit eines fremden Arztes sein kann.  Der Film ist frei von moralischen Statements oder Vorwürfen, er seziert lediglich die endlos pulsierende Gewalt, verzichtet dabei aber aus ästhetischen Gründen auf die Darstellung solcher. Die Brutalität und ihre Folgen spielen sich hier in den Gesichtern ab, die allesamt von größter Erschöpfung und Müdigkeit gezeichnet sind. An die Ursachen wagt sich der Film lieber nicht heran und vermeidet Spekulationen über Drogen und andere Ursprungsmächte. Das wäre des Guten wirklich zuviel gewesen. Stattdessen darf August Diehl hier selber Kokain schniefen und seine missliche Lage für die Dauer des Rauschs einfach wegfeiern.

David Siems



Marc ist angehender Mediziner. Aus beruflichen wie aus Abenteuergründen will er ein Assistenzjahr in Kolumbien absolvieren, vor allem aber auch einer gewissen von ihm als solche empfundenen deutschen Enge entkommen. Er trifft in Cali ein, einer Stadt voller Leben, aber auch mit riesigen Favelas, mit Drogen, mit einer der höchsten Mordraten der Welt. Sofort muss Marc sich in die Arbeit stürzen: Steckschüsse noch und noch werden sozusagen seine Spezialität.

Mit der Umgebung zurechtzukommen fällt ihm nicht leicht. Die Familie, bei der er Aufnahme findet, ist bigott, sein Chef Dr. Mendez von übertriebener Strenge. Am besten versteht er sich noch mit seinem Kollegen Hector Luis. Er freundet sich mit der Kioskbesitzerin Wanda an, die Straßenkinder umsorgt. Sie ist seine Liebe und sein größter Halt in diesem gefährlichen Trubel, in dem es von fraglichen Freunden, Dieben und Gewalttätern nur so wimmelt.

Marc will zwar Abenteuer auskosten, Erfahrungen, ja Grenzerfahrungen machen, andere Menschen kennen lernen. Aber er gerät auch in den Drogenstrudel – und damit in sich befeindende Lager. Muss er sich für eine Seite entscheiden? Die Tatsache, dass er nicht nur mit dem Hauptkiller El Juez näher zusammenkommt, sondern auch mit dessen Frau birgt höchstes Risiko in sich.

Ein Mann sucht zwar die Fremde, soll aber dann mit allem fertig werden, was an wildem Geschehen auf ihn einstürzt. Eine eher ausgefallene, handlungsmäßig zuweilen etwas disparat dargestellte Persönlichkeitsbeschreibung, die jedoch deshalb anzusprechen vermag, weil dieses Leben und das Ambiente, in dem es sich abspielt, derart unmittelbar und realistisch präsentiert wird.

August Diehl als Marc Jimenez-Tränker war außerdem der Garant dafür, dass neben dem 2006 mit einem Preis bedachten Drehbuch  und Tom Schreibers oft zupackender Regie die künstlerisch-darstellerische Seite nicht außer Acht gelassen wurde.

Thomas Engel

aus: programmkino.de

Letzte Aktualisierung ( 10.11.2008 )
 
I'm not there (Omu) PDF Drucken E-Mail
13.10.2008
ImageUSA 2007
Regie: Todd Haynes
Buch: Todd Haynes, Oren Moverman
Darsteller: Cate Blanchett, Christian Bale, Richard Gere, Ben Whishaw, Heath Ledger, Carl Marcus Franklin
Kamera: Edward Lachman
Schnitt: Jay Rabinowitz
135 Minuten, Farbe

Die vielen Gesichter Bob Dylans in einer Filmbiographie unterzubringen, ist ein schwieriges Unterfangen. Regisseur Todd Haynes stellte sich dieser Herausforderung dennoch mit seinem so spannenden wie faszinierenden Bio-Pic-Experiment „I’m Not There“: Gleich sechs Dylans gibt es darin für die unterschiedlichen Lebensphasen des Musikers, allesamt werden sie dargestellt von einem hervorragenden Ensemble, zu dem u.a. auch Richard Gere und Heath Ledger gehören. Die atemberaubende Cate Blanchett wurde für ihre Dylan-Rolle (!) in diesem kunstvollen und von filmbiographischen Konventionen losgelösten Puzzle beim Filmfestival in Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet.


PRESSESTIMMEN


Ein abstrus-faszinierendes Kunstwerk, zum Staunen, zum Bewundern.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK


Im Laufe seiner Karriere hatte Bob Dylan bislang viele Gesichter. Er war politisch engagierter Folk-Sänger, ein desillusioniertes Drogenwrack, ein wiedergeborener Christ und noch viele andere. Doch wie nähert man sich solch einer facettenreichen Persönlichkeit, einem solch ungreifbaren Chamäleon für eine Filmbiographie? Todd Haynes („Dem Himmel so fern“) hat mit seinem mutigen und außergewöhnlichen Bio-Pic „I’m Not There“ etwas ganz Neues probiert.

„Normalerweise wird in Filmbiografien der Charakter reduziert, ich hingegen wollte ihn möglichst vielschichtig ausbreiten“, erklärte er kürzlich in einem Interview: Und so hat er sechs Schauspieler, die Dylan verkörpern: Heath Ledger und Richard Gere sind ebenso Dylan wie Christian Bale, Ben Whishaw, Carl Marcus Franklin und Cate Blanchett. Es ist ein herausragendes Dylan-Ensemble, aus dem Blanchett sogar noch einmal heraus sticht – fahrig, drogenkaputt und mit täuschender Ähnlichkeit zum Dylan aus der damaligen Phase. In Venedig bekam sie dafür hoch verdient eine Auszeichnung für die beste Darstellerin.

Multiple Persönlichkeiten für die verschiedenen Phasen des Musikers, von denen Haynes jede auch noch in einer anderen Ästhetik inszeniert hat, die fließend ineinander übergehen. Mal wirkt das wie ein Videoclip, mal wie eine Musikdokumentation. Mal reitet Gere in Anlehnung an Dylans Rolle in „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ durch ein seltsames Westernszenario, mal wird Dylan von Carl Marcus Franklin als schwarzer Junge Woody Guthrie verkörpert, der die  Jugend und die Wurzeln des Musikers versinnbildlicht.

Mit seiner experimentellen Anordnung verabschiedet sich der Regisseur dabei von den Bio-Pic-Konventionen und klammert sich nicht an das sonst weitestgehend übliche Abklappern von Lebensstationen, wie es in der jüngeren Vergangenheit in einer ganzen Reihe von Filmbiographien wie „Walk the Line“ zu sehen war. Vielmehr splittert Haynes die Zeitleiste auf und bringt zu einer erlesenen Auswahl von Dylan-Songs die verschiedenen Ebenen in einem assoziativ verknüpften und sehr kunstvoll inszenierten Szenenfluss zusammen.

Dabei hilft es, wenn man sich in Dylans Leben etwas auskennt und Zusammenhänge entschlüsseln kann. Schließlich lässt „I’m Not There“ mal ganz konkrete Rückschlüsse auf Dylans Biographie zu, entwirft oft aber auch nur vage, metaphorische Bilder – die sich nach 135 Minuten nicht wirklich zu einem greifbaren Ganzen zusammensetzen. Auch wenn der Film bei dieser birstenden Lebensgeschichte kein Ende zu finden scheint, ist „I’m Not There“ aufregend anregendes Kino.

Sascha Rettig

aus: programmkino.de

Letzte Aktualisierung ( 23.10.2008 )
 
XXY (OmU) PDF Drucken E-Mail
25.09.2008

ImageArgentinien/Frankreich/Spanien 2007Regie: Lucía Puenzo
Darsteller: Inés Efron, Ricardo Darín, Martín Piroyansky
91 Minuten
Webseite: koolfilm.de

Die fünfzehnjährige Alex ist mit ihren Eltern ans Meer gezogen, um dem Geschwätz der Leute aus dem Weg zu gehen. Hier soll sie unbeschwert aufwachsen und sich selbst finden. Ein schweres Unterfangen, denn Alex ist mit ihrer Intersexualität so etwas wie eine seltene Laune der Natur. Das Spielfilmdebüt von Lucía Puenzo ist ein eindrucksvolles Plädoyer, das ohne sperrige Tabus eine Geschichte über die Angst vor dem Anderssein erzählt.

AUSZEICHNUNGEN

Cannes 2007: Großer Preis der Semaine de la Critique
Athen und Bangkok 2007: Goya für besten spanischsprachigen Film aus Übersee 2008 / Bester Film
Edinburgh 2007: Bestes Debüt
Leipzig 2008: Publikumspreis Argentinische Filmtage

PRESSESTIMMEN

Alex ist fünfzehn – und hat ein Geheimnis. Aufgrund einer seltenen Laune der Natur ist sie beides: Junge und Mädchen. Preisgekröntes Drama über Intersexualiät und die Freiheit, sich selbst zu definieren.
ARD

Ein kämpferischer, dabei unterhaltsamer Film, der sein Thema mit entwaffnender Direktheit angeht. Dabei macht er sich stilistisch wie inhaltlich überzeugend für das Recht auf Individualität stark. - Sehenswert.
film-dienst

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FILMKRITIK

Es gibt nachvollziehbare wie naheliegende Gründe, warum es jemanden aus einer großen Stadt wie Buenos Aires an einen entlegenen Küstenstreifen Uruguays verschlägt. Der Umzug von Alex und ihren Eltern hatte jedoch nichts mit der schönen und erholsamen Natur zu tun, die sie gegen den Muff der Großstadt ausgetauscht haben. Die Natur war es vielmehr, die dafür gesorgt hat, dass die kleine Familie regelrecht ans Meer fliehen musste. Weit weg von dem Geschwätz der Leute, wollte man sein Leben wieder in geordnete Bahnen bringen. Der Grund der Flucht ist das, was manche Menschen eine Laune der Natur nennen dürften, denn Alex ist intersexuell. Beide Geschlechter, männlich wie weiblich, koexistieren miteinander. Ein „Zustand“, der allzu oft bereits kurz nach der Geburt durch Kastration korrigiert wird. Im Falle von Alex hat eine sogenannte „Normalisierung“ jedoch nie stattgefunden und so gestaltet sich ihre Selbstfindung und die Entdeckung der eigenen Sexualität als ungleich schwieriger, als dies bei den Jugendlichen ihren Alters der Fall ist.

Letzte Aktualisierung ( 13.10.2008 )
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Brügge sehen und sterben (OmU) PDF Drucken E-Mail
11.09.2008

ImageOT: In Bruges
Belgien/Großbritannien 2008
Regie: Martin McDonagh
Darsteller: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Jérémier Rénier, Thekla Reuten, Jordan Prentice
105 Minuten
Web: www.brueggesehenundsterben.de

Das malerische Brügge in Belgien ist Schauplatz dieser schwarzhumorigen britischen Gangsterkomödie. Hier wartet das irische Killerduo Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell) auf Instruktionen ihres Bosses (Ralph Fiennes). Die Zeit vertreiben sich die beiden - der eine interessiert, der andere eher gelangweilt und auf andere Vergnügungen aus - mit Sightseeing. Als Ken den Auftrag erhält, seinen Partner kaltzustellen, nimmt die bitterböse, seine kaltblütigen Charaktere mit Zweifeln konfrontierende Komödie an Fahrt auf. Überraschungen sind garantiert.

FILMKRITIK


Ein erster Gewinner dieser rabenschwarzen britischen Gangsterkomödie ist mit Sicherheit der Tourismus des malerischen belgischen Städtchens Brügge. Mit seinen gut erhaltenen gotischen Fassaden, den zahlreichen Kirchen, den kleinen Plätzen und vor allem den vielen schnuckeligen Brücken über die Kanäle der mittelalterlichen Altstadt verliebt sich, wer das pittoreske Reiseziel – auch Venedig des Nordens genannt - noch nicht kennt, auf der Stelle. Von den beiden Auftragskillern Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Colin Farrell) lässt sich dies allerdings nicht behaupten. Nachdem ein Auftrag zuhause schief gegangen ist, empfiehlt ihnen Boss Harry (Ralph Fiennes), für ein paar Tage in Brügge unterzutauchen. Der kulturell völlig desinteressierte Heißsporn Ray kann mit dieser Situation überhaupt nicht umgehen und ist, weil er und sein Mentor Ken zudem in einem Doppel- statt zwei Einzelzimmern übernachten müssen, noch mehr genervt.

Während Ken sich also an Museums- und Kirchenbesuchen erfreut, bandelt Ray mit der hübschen Belgierin Chloe (Clémence Poésy), die er am Set eines in der Altstadt drehenden Filmteams trifft, an. Auch einen Liliputaner, der später noch eine wichtige Rolle spielen wird, lernt er hier kennen, kurz darauf auch Chloes eifersüchtigen Freund, der sich daraufhin im Krankenhaus wiederfindet. Spätestens hier hat es mit der vermeintlichen Langeweile im vorweihnachtlichen Brügge ein Ende, mehr noch, als Ken kurz darauf den Auftrag erhält, seinen Partner abzuservieren. Weil er Ken aber nicht traut, sieht Boss Harry persönlich nach dem Rechten. Wie es der sich immer mehr verdichtenden Geschichte gelingt, alle genannten Charaktere zu einem Showdown auf dem Marktplatz zu versammeln (in gewisser Weise spielt das bei einem Museumsbesuch ins Bild gerückte Gemälde „Das jüngste Gericht“ von Hieronymus Bosch eine Rolle), unterstreicht die Könnerschaft von Regisseur Martin McDonagh.

Klar ist freilich auch, dass eine schwarze Gaunerkomödie wie diese nur durch die Gegensätzlichkeit, bzw. die glaubhaft verpassten Ecken und Kanten seiner Charaktere funktioniert. Hier der väterliche, fast schon warmherzige Brendan Gleeson, dort Colin Farrell als der hitzige, kindsköpfige und unberechenbare, als Killer aber auch von großen Selbstzweifeln geplagte Ray, als drittes schließlich ein richtig fies und kaltschnäuzig, keinen Widerspruch duldender Ralph Fiennes als erst in der zweiten Hälfte auch physisch in Erscheinung tretender Auftraggeber. Vor allem Farrell und Fiennes schaut man gerne dabei zu, hier einmal eine Figur jenseits ihres gewohnten Repertoires spielen zu dürfen – was beiden sichtlich Spaß gemacht haben dürfte, Gleeson ist ohnehin brillant.

Neben den immer wieder überraschenden Wendungen des Plots und den großartig gespielten Charakteren sind die gelungenen Dialoge mit ihrem kurzen und trockenen Humor als weiterer Pluspunkt dieses Films zu nennen. Auch versteht es McDonagh über die Dialoge immer wieder neue Hinweise auf die Geschichte und Entwicklung seiner Charaktere zu geben, so dass deren Verhalten – vor allem, wenn sie mal wieder gekränkt wurden - immer auch durch die eigene Vergangenheit nachvollziehbar bleibt. Was die Action betrifft, so bleibt diese auf das Nötigste reduziert, liegt der Schwerpunkt doch in der Tat mehr auf einer ironischen und schwarzen Komödie denn einer Hetzjagd durch das malerische Brügge.

Thomas Volkmann



Die Killer Ray und Ken haben in London ihre Arbeit verrichtet und erhalten nun von Harry, dem Auftraggeber, den Befehl, sich nach dem belgischen Brügge abzusetzen, dort unterzutauchen und auf neue Anweisungen zu warten. Ken ist an den kulturellen Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Stadt höchst interessiert, Ray langweilt sich und ist entsetzt darüber, dass die beiden, weil die Stadt zur Weihnachtszeit voller Touristen ist, zu zweit ein Hotelzimmer teilen müssen.

Die zwei vertreiben sich die Wartezeit so gut es geht. Ken entdeckt die Heilig-Blut-Basilika und im Museum Hieronymus-Bosch-Gemälde, Ray freut sich, dass er die schöne Schauspielerin Chloe kennen gelernt hat. Sie dreht gerade einen Film, in dem ein Zwerg die Hauptrolle spielt. Wenn nur ihr eifersüchtiger Freund Eirik nicht wäre. Der kann einem den Abend ganz schön verderben.

Noch eines belastet Ray schwer: Als er in London einen Priester töten musste, kam dabei unbeabsichtigt auch ein kleiner Junge ums Leben. Das lässt den Killer nicht mehr los.

Es kommt noch schlimmer. Harry ruft an, hat einen Auftrag – nur für Ken. Könnte wegen des getöteten Jungen sogar Ray das Opfer sein? Die Hölle bricht los. Ebenso viel Schreckliches wie Erheiterndes passiert.

Wie gesagt ein Seiltanz zwischen Tragik und Komik. Erstaunlich, wie angenehm ausbalanciert das unvermutet und einfallsreich Heitere dieser Killer-im-Wartestand-Story mit dem Bewusstwerden der Schwere der Schuld Rays, vor allem in Bezug auf den getöteten Jungen, gestaltet ist. Natürlich gänzlich als Kino- und Thriller-Fiktion, denn andernfalls müsste das Urteil härter ausfallen. Verblüffende Ideen und eine spannende Montage kennzeichnen den gut inszenierten Film.

Die vier Hauptpersonen agieren glänzend: Colin Farrell als schuldgeplagter Unruheherd Ray, Brendan Gleason als ausgleichender Ken, Clemence Poésy als begehrenswerte Chloe und Ralph Fiennes als unerbittlicher Bösewicht Harry.

Thomas Engel

aus: programmkino.de

Letzte Aktualisierung ( 25.09.2008 )
 
Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (OmU) PDF Drucken E-Mail
28.08.2008

ImageUSA / Frankreich 2005, Neo-Western, 116 min
Original: The Three Burials of Melquiades Estrada
Regie: Tommy Lee Jones
Buch: Guillermo Arriaga
Kamera: Chris Menges
Produktion: Luc Besson
Darsteller: Tommy Lee Jones (Men in Black, No Country for Old Men), Barry Pepper (Der Soldat James Ryan, Flags of our fathers), January Jones (Die Wutprobe, American Pie2), Dwight Yoakam (Crank, Panic Room)
Web: www.threeburials.de (Pressematerial)

Der alte Cowboy Pete und der illegal eingewanderte Melquiades arbeiten auf einer texanischen Ranch nahe der mexikanischen Grenze und sind die dicksten Freunde. Als Melquiades eines Tages von dem jungen Grenzwächter Norton versehentlich erschossen wird und die Behörden die Tat vertuschen, zögert Pete nicht, den darob nicht schlecht entsetzten Norton gewaltsam auf eine für alle Beteiligten lehrreiche Reise nach Mexiko zu verschleppen. Ziel der Übung: Eine würdevolle Beisetzung für Melquiades.

AUSZEICHNUNGEN

Bester Hauptdarsteller - Tommy Lee Jones - Cannes Film Festival 2005

Bestes Script - Guillermo Arriaga - Cannes Film Festival 2005

 

PRESSESTIMMEN

"A stone cold classic!"
Daily Mirror

"Eine Offenbarung"
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Großartiges Regiedebüt"
taz

"Ein unerwarteter Adrenalinkick"
Stern

"Exceptionally moving, surprisingly funny, often beautiful."
Empire

"Powerful. Compelling. An exceptional modern Western."
Hotdog

"Ambitioniert, engagiert und überzeugend"
Blickpunkt Film

"Dieser Film ist ein Pulverfass"
Rolling Stone

INHALT

"Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada" ist das Kino-Regiedebüt von Oscar®-Preisträger Tommy Lee Jones, eine epische Geschichte über Rache und Erlösung, Freundschaft und Loyalität, die im zerklüfteten Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko spielt.

Der Rancharbeiter Melquiades Estrada (Julio César Cedillo) wird irrtümlich von einem Grenzpolizist (Barry Pepper) erschossen. Die lokale Polizei ist nicht daran interessiert, den Tod des illegalen Einwanderer aufzuklären.
Estradas Vorarbeiter und bester Freund Pete Perkins (Tommy Lee Jones) hat dem Mexikaner jedoch versprochen, ihn in dessen Heimat zu beerdigen. Der Cowboy nimmt den Grenzer als Geisel, zwingt ihn Estrada wieder auszugraben und mit ihm und der Leiche nach Mexiko zu reiten. Doch die Grenzpolizei startet eine gnadenlose Hetzjagd auf das Trio...

Three Burials ist ein moderner Western nach dem Drehbuch von Guillermo Arriaga (Babel, 21 Gramm) in den überwältigenden Bildern des zweifachen Oscar®-Preisträgers Chris Menges. Ein kraftvolles, bewegendes und überraschend komisches Filmerlebnis. Für diese Leistung erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga in Cannes Auszeichnungen für den Besten Hauptdarsteller und das Beste Drehbuch.

In weiteren Rollen glänzen Barry Pepper (Der Soldat James Ryan, Flags of our Fathers), January Jones (Die Wutprobe, American Pie - Jetzt wird geheiratet) und Dwight Yoakam (Crank, Panic Room).

Quelle: Kurt Media Pressematerial

 

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Letzte Aktualisierung ( 11.09.2008 )
 
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