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The Messenger Drucken E-Mail

ImageUSA 2009, 105 Min.
R: Oren Moverman
D: Woody Harrelson, Ben Foster, Jena Malone, Samantha Morton, Eamonn Walker



 

 

Ein Überbringer schlechter Botschaften


Eigentlich hat der hoch dekorierte US-Soldat Will Montgomery (Ben Foster) nach seiner Verwundung im Irak-Krieg, die ihn beinahe das Augenlicht kostete, nur noch wenige Monate bei der Truppe abzuleisten. Doch da an einen Fronteinsatz nicht mehr zu denken ist und die Truppe auch an der Heimatfront charakterfeste Helden braucht, wird der Staff Sergeant kurzerhand zu einem ganz anderen und mindestens ebenso schwierigen Einsatz an der Heimatfront abkommandiert: Er soll gemeinsam mit seinem neuen Vorgesetzten Tony Stone den Angehörigen von gefallenen US-Soldaten die Todesnachricht überbringen – aus dem Helden wird so also ein Überbringer schlechter Nachrichten. Oder wie Stone es an einer Stelle ausdrückt: Montgomery ist von nun an Angehöriger einer wahrhaftigen Todesschwadron.

Was die Aufgabe nicht gerade einfacher macht, ist die Tatsache, dass Stone ein echtes Arschloch ist, das sich hinter zynischen Sprüchen und den rigiden Army-Regeln für die ordnungsgemäße Überbringung von Todesnachrichten (für die sogar ein Handbuch existiert) verschanzt, während Montogomery durch die gescheiterte Beziehung zu seiner Exfreundin, die bald heiraten wird, schwer gebeutelt ist. Vielleicht ist das ja auch der Grund dafür, warum der Kriegsheld sich von Anfang an weicher und verletzlicher als sein Vorgesetzter zeigt und sich bald mehr für die Ehefrau (Samantha Morton) eines gefallenen Soldaten interessiert, als das im Protokoll vorgesehen ist. Und trotz aller Unterschiede kommen sich auch die beiden Todesengel immer näher…

The Messenger ist ein Film über die Folgen des Krieges, in dem kein einziger Schuss fällt und der trotzdem vieles über den Schmerz und das Trauma erzählt, das Gewalt und Tod hinterlassen. Ohne jegliche Glorifizierung zeigt der aus Israel stammende und in den USA lebende Regisseur Oren Moverman die stupide und zum Selbstschutz automatisierte Arbeit der beiden Soldaten, die im monotonen Singsang und streng nach Dienstvorschrift ihre Todesnachrichten herunterleiern und die Reaktionen der Menschen, die davon betroffen sind. Dass auch die beiden Todesengel nicht unbeeindruckt bleiben von ihrer Arbeit, ahnt man schnell. Und auch die Freundschaft zwischen den zwei Soldaten sowie die Liebe, die Will für die Witwe eines getöteten US-Soldaten entwickelt, können nicht wirklich überraschen. Was den Film dann doch beeindruckend macht, sind vor allem die Reaktionen derer, an die sich die beiden Botschafter aus dem Reich des Todes wenden: Die einen brechen zusammen und kotzen, andere wiederum werden aggressiv gegen die beiden Boten. Und wieder andere verstehen ohne Worte, was es bedeutet, wenn zwei Soldaten in schmucker Uniformen und mit ernstem Gesichtsausdruck plötzlich vor dem Haus stehen. Und manchmal steht auch eine junge Frau im Sonnenlicht, nickt ernst und dankt den beiden Soldaten einfach für ihren schweren Dienst – keine Reaktion, die man erwartet. Und vielleicht gerade deswegen die beeindruckendste Szene in diesem Film.

aus: kinozeit.de

Letzte Aktualisierung ( 30.09.2010 )
 
Moon Drucken E-Mail
ImageGB 2009
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Duncan Jones, Nathan Parker
Produktion: Trevor Beattie, Nick Bentham
Kamera: Gary Shaw
Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey
Laufzeit: 97 Minuten
Web: www.sonypictures.com

Duncan Jones, Sohn von David Bowie, hat einen sympathisch altmodischen Science-Fiction gedreht, indem es um alternative Energien, Gentechnik, Ethik und die Großindustrie geht. Sam Bell, Angestellter von Lunar Industries, betreut ganz alleine den Helium-3-Abbau auf dem Mond. Kurz bevor sein 3-Jahres-Vertrag abläuft, geschehen seltsame Dinge in seiner Raumstation. Es läuft durchaus nicht alles so, wie Lunar es ihm vermittelt hat. Der Film, der auf Action verzichtet und sich durch freundlich-robuste Modellanimationen und ein intelligentes Drehbuch auszeichnet wurde, mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, u.a. den BAFTA Award für 'besten Debutfilm' und 'besten britischen Film', den British Independent Film Award und den Preis des Edinburgh Film Festivals.

FILMKRITIK


Die Erde hat ihr Energieproblem gelöst. Die alten umweltschädlichen Energiequellen Atom, Kohle und Öl sind inzwischen fast vollständig von Helium 3 abgelöst worden. Sam Bell (Sam Rockwell) ist Angestellter von Lunar Industries, die den wertvollen Rohstoff auf der erdabgewandten Seite des Mondes abbauen. Schon fast drei Jahre lebt er als einziger menschlicher Arbeiter auf der Mondstation von Lunar und kümmert sich dort gemeinsam mit Computer GERTY um den reibungslosen Ablauf. Seine Tage sind gleichförmig. Einmal täglich besucht er die großen Abraummaschinen, die sich über die Mondoberfläche arbeiten, holt das Helium ab und verschifft es zur Erde. Die restliche Zeit verbringt er mit Essen, Fitnesstraining, filigranen Schnitzarbeiten und der Vorfreude auf die Rückkehr zur Erde nach Ablauf seines Drei-Jahres-Vertrages. Dort warten Frau und Kind auf ihn, auch wenn die Videobotschaften seiner Frau sich etwas ambivalent anhören.

Nur wenige Wochen vor seiner Rückkehr wird die Routine unterbrochen. Als Sam seine übliche Tour über die Mondoberfläche macht, erleidet er einen Unfall. Er wacht in der Krankenstation der Raumstation wieder auf. Wie er dort hinkommt, kann er sich nicht erklären. Ebensowenig, warum er nicht mehr ins Freie darf. Sam beginnt den Ungereimtheiten auf die Spur zu gehen und entdeckt nach und nach, dass er nur ein kleines Rädchen im perfiden System von Lunar ist.

MOON ist ein sympathisch altmodischer Science-Fiction, der auf liebevolle Modelle und einen durchdachten Plot, statt auf ausgeklügelte CGI-Effekte setzt. Die Raumstation und die Helium-3-Abbaumaschinen erinnern eher an die Monstermaschinen aus dem Braunkohletagebau als an Designer-Computer. Bei den Farben dominiert Grau, lediglich das Lunar-Logo leuchtet Gelb auf Sams Overalls. Die robuste Ästhetik macht Sinn, immerhin geht es um Arbeitsmaschinen, die vor allem funktional und solide sein müssen und dem menschlichen Mondarbeiter lediglich das Minimum an Komfort bieten, dass ihn vor dem Durchdrehen bewahrt. Auch geht von den Modellen eine ganz andere Präsenz und Glaubwürdigkeit aus, als von den spiegelglatten Oberflächen digitaler Animationen.

Letzte Aktualisierung ( 17.09.2010 )
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Neukölln Unlimited Drucken E-Mail
ImageDeutschland 2010
Regie: Agostino Imondi, Dietmar Ratsch
Buch: Agostino Imondi
Musik: Tonbüro Berlin
Mit: Hassan Akkouch, Lial Akkouch, Maradona Akkouch
Länge: 96 Min.
Web: www.neukoelln-unlimited.de

Das Thema Migration rückt in einen frischen pulsierenden Fokus. Drei libanesische Geschwister aus Berlin-Neukölln versuchen die Abschiebung ihrer Großfamilie zu verhindern. Ihre grenzenlose Energie setzt einen starken Akzent gegen das negative Medien-Image des „Problemkiezes“. Das mitreißend inszenierte und bewegende Familienporträt gewann auf der Berlinale den Gläsernen Bären in der Sektion Generation 14plus!

PRESSESTIMMEN


Sehenswert!
Tip Berlin

FILMKRITIK


Sie tanzen sich die Seele aus dem Leib, sie singen, streiten und verfolgen unbeirrbar ihre Ziele: Lial Akkouch ist 19 Jahre alt, singt in der Frauenband „No Ibn“ („Keine Söhne ) und macht eine Ausbildung zur Eventmanagerin bei einem Boxkampf-Veranstalter. Ihr 18jähriger Bruder Hassan lernt für das Abitur, übt als Rapper unter dem Künsternamen „HasS“ Sozialkritik und tourt mit seiner Streetdance-Gruppe durchs Land. Der 14jährige Bruder Maradona sammelt Schulverweise und trainiert täglich Breakdance. Bei seinen Läufen quer durch Berlin trägt er ein T-Shirt mit der Aufschrift „I‘m Muslim, don‘t panik“. Er demonstriert gegen die Besetzung des Libanon, trat bereits für die TV-Show „Das Supertalent“ an und soll es später zum Breakdance-Vizemeister in Deutschland bringen - unter halsbrecherischem Ganzkörpereinsatz.

Unbeirrbar sind die Geschwister auch darin, verlängerte Aufenthaltsgenehmigungen für ihre Mutter und weitere zwei Geschwister zu beantragen. Dazu müssen sie finanziell unabhängig sein. Viele Gänge zur Ausländerbehörde und zur Härtefallkommission stehen an. „Ihr seid nicht in der Lage, eure Mutter und deren Kinder zu finanzieren“, erfahren sie dort. Die junge Mutter schaltet sich kaum ein. Vom Vater ist nur zu erfahren, dass er sich vor Jahren von seiner Frau trennte. Die Familie ist hier seit 17 Jahren nur geduldet. 2003 wurden sie für 6 Wochen in den Libanon abgeschoben. Für Hassan war das ein fremdes Land. „Meine Heimat ist nicht der Islam, sondern der Ort, wo und wie man aufwächst.“ Nach der Abschiebung habe die Schwester unter Bulimie, die Mutter unter epileptischen Anfällen, der kleine Bruder unter ADS gelitten. Das traumatische Erlebnis wird in animierten Sequenzen nacherzählt.

Letzte Aktualisierung ( 02.09.2010 )
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Sin Nombre Drucken E-Mail
ImageMexiko, USA 2009
Regie: Cary Joji Fukunaga
Darsteller: Paulina Gaitan, Édgar Flores, Kristian Ferrer, Tenoch Huerta, Diana Garcia, Luis Fernando Peña
Laufzeit: 96 Minuten
Web: www.sinnombre-derfilm.com

Casper ist Gangmitglied der Mara Salvatrucha. Doch schlägt sein Herz nicht allein mehr für die Gang. Ein Mädchen genießt seine Aufmerksamkeit. Eine Liaison mit ungeahnten Folgen. Und so begegnet Casper im weiteren Verlauf der Geschichte Sayra, die ihrerseits auf der Flucht ist in ein besseres Leben. Ein gelungener Genre-Mix und das eindrucksvolle Regiedebüt von Cary Joji Fukunaga - ein Name, den man sich merken sollte.
 

PRESSESTIMMEN


Fukunaga kombiniert Thriller, Liebesgeschichte und halbdokumentarisches Flüchtlingsdrama zu einem kleinen Meisterwerk.
DER SPIEGEL

Schnell, packend, bewegend, tolle Kameraarbeit. Nahezu perfekt.
KulturSPIEGEL

AUSZEICHNUNGEN


- Regiepreis Sundance Filmfestival
- Skillset New Directors Award beim Edinburgh Filmfestival
- Preis der Jury in Deauville


FILMKRITIK


Die Mara Salvatrucha ist nicht irgendeine Gang. Mit ihren geschätzten 100.000 Mitgliedern - vor allem in Zentralamerika - ist sie die größte und gefährlichste Gang der Welt. Wer sich als vollwertiges Mitglied bezeichnen will, muss zunächst eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Der erste Teil besteht darin, sich von seinen Bandenkumpels 13 Sekunden lang grün und blau schlagen zu lassen. Der zweite Teil ist nichts Geringeres als der Mord an einem Feind. Danach gehören Leib und Seele der Mara. Fortan ist sie Rückhalt und Sicherheit in einem wirtschaftlich zerrütteten System. Fortan ist sie aber auch die Einbahnstraße des Lebens. Und wer nicht seine ungeteilte Aufmerksamkeit in den Dienst der Sache stellt und mit ganzem Herzen bei der Gang ist, der begibt sich in große Gefahr. Dies soll auch Willy - genannt El Casper - auf bitterste Art und Weise erfahren.

Kein Gangmitglied hätte je erfahren dürfen, dass Caspers Herz nicht allein mehr für die Mara schlägt. Ihr Name ist Martha Marlene und sie ist der Grund warum er in letzter Zeit seine Aufgaben vernachlässigt. Nur so konnte es passieren, dass ein Feind im eigenen Ganggebiet gefangen genommen wurde. Doch nicht Casper hatte den Todgeweihten gefunden, denn er verbrachte seine Zeit stattdessen mit seiner Auserwählten. Nichts ahnend hatte die sich zwischen ihn und seine Gang gedrängt. Ein folgenschwerer Fehler, der Casper regelrecht aus der Bahn werfen wird. Verdammt in alle Ewigkeit scheint sein Schicksal nunmehr besiegelt. Doch sein weiterer Weg soll erneut durch ein wunderschönes Mädchen gekreuzt werden. Sayra ist mit ihrem Vater und ihrem Onkel auf der Flucht in ein besseres Leben. Auf ihrer illegalen Reise trifft sie auf den kriminellen Aussätzigen. Eine Begegnung, die beider Leben für immer verändern wird.

Letzte Aktualisierung ( 19.08.2010 )
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Die Beschissenheit der Dinge Drucken E-Mail
ImageOT: De helaasheid der dingen
Belgien 2009, 108 Minuten
Regie: Felix Van Groeningen
Darsteller: Kenneth Vanbaeden, Valentjin Dhaenens, Koen De Graeve, Wouter Hendricksx, Johan Heldenbergh, Bert Haelvoet, Gilda De Bal
Web: www.camino-film.com
 
Der junge Gunther Strobbe kann einem leid tun, wie er seine Jugendjahre da unter einem Dach mit seinem Vater und dessen trinkfreudigen Brüdern verbringt. Die Angst, so zu werden wie seine Verwandtschaft, beschäftigt Gunther auch als jungen Erwachsenen. Droht ihm ein ähnliches Schicksal? So düster die Vergangenheit, so schonungslos der Blick auf diesen sozialen Mikrokosmos – das Leben bei den Strobbes ist hart, herzlich und hochenergetisch, und immer wieder auch von herrlich komischen Momenten durchzogen.

FILMKRITIK


Ob die Strobbes so heißen, weil sie gerne gar arg verstrubbelt auf den Plan treten? Doch nicht nur das: so viel Vokuhila wie hier hat man lange nicht mehr in einem Film gesehen. Es sind die 80er Jahre in einem kleinen Provinznest in Belgien und das Leben für den 13-jährigen Gunther Strobbe (Kenneth Vanbaeden) insofern aufregend, als sein Vater und seine diversen Onkel stets Unsinn im Kopf haben, während die liebenswürdige Großmutter aufopferungsvoll den Haushalt schmeißt. Komasaufen jedenfalls steht bei den Strobbes auf der Tagesordnung, der Gedanke an Weltrekordversuche im Dauerbiertrinken ist nicht weit. Ein im Film stattfindendes Nacktfahrradrennen reinszenierte das Team vergangenes Jahr während des Cannes-Festivals kurzerhand auch an der Croisette.

Mit den Verhältnissen bei den Strobbes muss man auch als Außenstehender erst einmal klar kommen. Wüst geht es zu, stumpf, obszön. Von seiner Mutter weiß Gunther nicht viel, außer, dass sie eine Hure gewesen sein soll. Sagt jedenfalls sein Vater. 20 Jahre später hat Gunther (jetzt gespielt von Valentjin Dhaenens) große Zweifel, ob er als werdender Vater nicht ebenso versagen wird und auf ihn - den erfolglosen Schriftsteller mit Nebenjobs als Pizzabote und Minibarverkäufer in Zügen - nicht auch ein Schicksal im Alkoholdunst schäbiger Dorfkneipen wartet, wo man dann vielleicht im Suff mit Billardqueues auf Dartscheiben zielt. Die Vergangenheit droht Gunther einzuholen, auch wenn der Vater längst an seiner Alkoholsucht gestorben ist und die Großmutter ohne Erinnerungen auf ihr Ende im Altersheim auf ihr Ende wartet.

Letzte Aktualisierung ( 05.08.2010 )
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