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Half Nelson (OmU) PDF Drucken E-Mail
20.06.2008
ImageEin drogensüchtiger High School Lehrer und eine Schülerin mit kriminellem Umfeld schließen Freundschaft. Eine Zweckgemeinschaft vielmehr, in der die gegenseitige Unterstützung gegen die Einflüsse in der Drogenwelt helfen soll. Ryan Gosling („Lars und die Frauen“) überzeugt in einem ehrlichen und atmosphärisch dichten Film, der geschickt mit seinen Tabus spielt.


USA 2006
Regie: Ryan Fleck
Darsteller: Ryan Gosling, Shareeka Epps, Anthony Mackie, Monique Curnen
107 Minuten
Web: www.halfnelson.de

AUSZEICHNUNGEN


Spezialpreis der Jury - Locarno Film Festival 2006
Publikumspreis für den besten Darsteller - Internationales Film Festival Seattle 2006
Fipresci Preis - Film Festival San Francisco 2006


PRESSESTIMMEN


Ryan Gosling als drogensüchtiger Lehrer, der in einer frühreifen Schülerin eine echte Freundin findet... Ein intimes, nüchtern beobachtetes Porträt zweier einsamer Seelen. Ein Meisterwerk der Zurückhaltung.
Cinema


FILMKRITIK


Eine High School im trostlosesten Teil von Brooklyn. Hier unterrichtet der überaus brillante Dan Dunne (Ryan Gosling) in Geschichte. Fern dem Lehrplan, mutet er seinen Zöglingen einen sehr anspruchsvollen Unterricht zu und lässt sie dabei über Wendepunkte der Geschichte referieren. Mit idealistischen Appellen versucht der weiße Geschichtslehrer seinen überwiegend afroamerikanischen Schülern einen Ausweg aus dem Drogendschungel aufzuzeigen. Niemand ahnt, wie prädestiniert er hierfür ist. Selbst abhängig von Koks und Crack, weiß Dan nur zu gut, wovon er spricht. Seine tägliche Dosis Rauschmittel vernichtet ihn und hält ihn doch am Leben.

Eines Tages fliegt das selbstzerstörerische Tun des Lehrers auf. Drey (Shareeka Epps), eine Schülerin aus seiner Klasse, überrascht ihn Crack rauchend auf der Schultoilette. Ein Wendepunkt in der Geschichte, aus dem recht schnell die Bereitschaft erwächst, sich allen Konventionen zum Trotz gegenseitig zu helfen. Eine zart keimende Freundschaft entsteht, die in der direkten Konfrontation mit den gegebenen Lebenssituationen beider jederzeit und von allen Seiten angreifbar bleibt. Als Teil ihres kriminellen Umfelds, steuert die erst 13jährige Drey unvermeidlich auf ein Leben zu, das durch den Drogenhandel bestimmt sein wird. Im Würgegriff der Drogen selbst, gelingt es dem desillusionierten Lehrer nicht, seiner eigenen Tragödie zu entrinnen.

Ein Film über einen Lehrer, der zu keiner Zeit belehrend wirkt. Ein Film, der keine Tabus bricht sondern geschickt mit ihnen spielt. Ein Film, der provoziert weil er ehrlich ist. All das ist „Half Nelson“. Und mehr. Ryan Fleck (Regie/Drehbuch) und Anna Boden (Drehbuch/Produktion/Schnitt) haben nach verschiedenen Kurz- und Dokumentarfilmarbeiten ihren ersten gemeinsam Langspielfilm abgeliefert und überzeugen hierin mit atmosphärischer Dichte sowie einer kraftvollen wie herzerwärmenden Erzählung. Dabei ist ihr Script bereits im Jahre 2002 entstanden und diente zunächst als Vorlage des Kurzfilms „Gowanus, Brooklyn“. 2004 verfilmt, schlüpfte die damals 15jährige Shareeka Epps bereits in die Rolle der pragmatischen Schülerin Drey. Zwei Jahre später gelingt es der Neuentdeckung aus der Jungdarstellerriege Hollywoods an der Seite des wenigstens ebenso überzeugenden Ryan Gosling zu glänzen. Letzterer für den Oscar nominiert, zählt nach seiner eindrucksvollen Darbietung in „Half Nelson“ sowie der komplett konträren Hauptrolle in „Lars und die Frauen“ zu den angesagtesten Schauspielern seiner Generation. Völlig zu Recht!

Gary Rohweder

aus: programmkino.de  

Letzte Aktualisierung ( 03.07.2008 )
 
Tödliche Entscheidung PDF Drucken E-Mail
03.06.2008
ImageUSA 2007
Originaltitel: Before the Devil Knows You're Dead -
R: Sidney Lumet
D: Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei

Er was u.a. fünfmal für den Oscar nominiert, erhielt diesen aber erst im Alter von 80 Jahren für sein Lebenswerk. Sidney Lumet ist zweifellos einer der ganz Großen seines Fachs. Das untermauert er auch mit seiner jüngsten Arbeit Tödliche Entscheidung – Before the Devil knows You’re Dead, in der er eine erschütternde Familientragödie vor dem Hintergrund eines klassischen Heist-Plots ablaufen lässt. Das Drehbuch von Kelly Masterson blickt mit beängstigender Klarheit tief in menschliche Abgründe. In der Hauptrolle brilliert einmal mehr Philip Seymour Hoffman.


FILMKRITIK


Andy Hanson braucht Geld. Er meint das Paradies gesehen zu haben, als er mit seiner Frau Gina in Rio war und mit dieser ein unverhofftes Wiedererwachen ehelichen Glücks erlebt hat. Auch sich selbst im Spiegel zu beobachten, wie er sie machtvoll von hinten nimmt und ihr dabei Lust verschafft, gibt ihm ein lange entbehrtes Gefühl der Bestätigung. Zu Hause treibt sie das alltägliche Unglück, sich selbst nicht genug zu sein, auseinander - und Andy in die lautlose Höhenluft eines Luxusappartments, wo sich ausgebrannte Geschäftsmänner vor dem ergreifenden Panorama Manhattens auf dem Rücken ausgestreckt einen Schuß setzen lassen. Um diese teure Flucht immer wieder bezahlen zu können, hat Andy jahrelang seine Firma bestohlen. Ob er das Geld zurückzahlen oder sich mit Gina für immer nach Rio absetzen will, in jedem Fall braucht er hundertausende Dollars.

Auch Andys jüngerer Bruder Hank braucht Geld. Andy schlägt ihm vor, den Juwelierladen der Eltern in der Vorstadt auszurauben. Nichts soll schiefgehen können, niemand zu Schaden kommen, der Laden ist versichert. Der letzte Haken: Hank soll die Sache alleine ausführen. Und Hank ist ein ausgemachtes Weichei, ein verwöhnter Junge, beruflich ein Verlierer, steht bei seiner Ex mit Unterhaltszahlungen im Rückstand und kann die teure Schule seiner Tochter nicht bezahlen, obwohl er sie selbst ausgesucht hat. (Nachdem alles in die Hose gegangen ist und die Lage ausweglos erscheint, sieht man Hank in Fötusstellung auf dem Bett liegen und sich jammernd am Telefon vor seiner Tochter verteidigen, welcher er das Geld für die Klassenfahrt nicht zahlen konnte.)


Letzte Aktualisierung ( 20.06.2008 )
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No Country For Old Men PDF Drucken E-Mail
22.05.2008

ImageUSA 2007
Regie & Drehbuch: Joel & Ethan Coen
Mit Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones, Woody Harrelson
Laufzeit 122 Minuten
Web: www.nocountryforoldmen.de

Mit der Adaption von Cormac McCarthys Roman No Country for Old Men kehren Joel und Ethan Coen zu ihren kreativen Wurzeln zurück. In bester Blood Simple-Tradition zeichnet ihr schwarzhumoriges Crime-Drama ein düsteres Portrait der menschlichen Natur. Folgt man ihrer Argumentation, so lassen wir uns nur allzu oft von falschen Hoffnungen, Gier und sogar Wahn leiten. In den Hauptrollen liefern sich Josh Brolin und Javier Bardem ein elektrisierendes und dabei vor allem blutiges Duell. No Country for Old Men – vom „National Board of Review“ unlängst zum Film des Jahres gekürt – werden vollkommen zu Recht beste Oscar-Chancen eingeräumt.

FILMKRITIK


Eine karge Landschaft, schweigsame Menschen, ein missglückter Drogendeal und der Traum von einem besseren Leben. Das sind die Zutaten der neusten, in Cannes uraufgeführten Arbeit der Coen-Brüder. Joel und Ethan, die seit ihrem Erstling Blood Simple immer wieder die zweifelhafte Moral der Spezies Homo sapiens sapiens erforschten, bleiben sich und ihrem Gesamtwerk mit der recht losen Verfilmung von Cormac McCarthys Roman No Country for Old Men treu. Irgendwo zwischen tiefschwarzer Komödie, aufrichtigem Drama und perfekt arrangierten Suspense-Kino lässt sich die Geschichte um einen einfachen Mann einordnen, dessen Leben durch den Fund eines Koffers und 2 Millionen Dollar eine neue Wendung nehmen soll.

Eigentlich wollte er nur einige Tiere schießen. Doch während Llewelyn Moss (Josh Brolin) noch darauf wartet, dass ihm etwas Essbares vor das Zielfernrohr seines Gewehrs läuft, macht er eine ganz andere Entdeckung. In der Einöde der texanischen Wüste sollte augenscheinlich ein Drogengeschäft abgewickelt werden. Davon zeugen ein paar tote Mexikaner, eine Wagenladung Heroin sowie ein Koffer randvoll mit Dollarnoten. Llewelyn überlegt nicht lange. Er nimmt das Geld und macht sich aus dem Staub. Dass sich im Koffer ein Peilsender befindet, der ihn zur Zielscheibe eines psychopatischen Killers (Javier Bardem) werden lässt, davon ahnt Llewelyn zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts.

Die Parallelen zu alten Coen-Glanzstücken wie Blood Simple und Fargo liegen auf der Hand. Auch in No Country für Old Men ergeben Gier, Wahnsinn und Verzweiflung einen tödlichen und äußerst blutigen Cocktail. Für die Aussicht auf das schnelle Geld ist Llewelyn bereit, alle Skrupel und jedwede Moral abzulegen. Alles was in diesem Moment für ihn von Bedeutung ist, passt in einen unauffälligen Silberkoffer. Und wie in Fargo wimmelt es auch hier von skurrilen, wunderbar verschrobenen Charakteren. Der von Tommy Lee Jones mit einer stoischen Ruhe verkörperte Sheriff Bell – gewissermaßen die männliche Reinkarnation von Marge Gunderson – ist für einen Großteil der Pointen zuständig. Sein nüchterner Blick auf die Welt ist typisch für viele Figuren aus dem Coen-Universum, in dem trotz aller Gewalt und Bitternis stets Raum für ein melancholisches Erinnern an die „Good ol’ Days“ bleibt.

No Country for Old Men vereint ein mehr als außergewöhnliches Schauspiel-Ensemble. Allen voran Josh Brolin und Javier Bardem liefern unter der Regie der Coens die vielleicht stärksten Leistungen ihrer bisherigen Karriere ab. Brolin, der zuletzt in Ridley Scotts American Gangster den Bad Cop gab, übernahm den Part des fast schon bemitleidenswerten Anti-Helden, der halb sehend, halb blind in sein Verderben rennt. Brolins Präsenz und Ausstrahlung erinnert desöfteren an Nick Nolte, dessen Spezialität bekanntlich auch in der Darstellung gebrochener Existenzen lag. Kam es bei Llewelyn darauf an, dass sein Handeln zu jedem Zeitpunkt für den Zuschauer verständlich und nachvollziehbar erscheinen sollte, galten vergleichbare Regeln für Bardem allenfalls in der Theorie. Llewelyns Verfolger ist ein in ein Bolzenschussgerät vernarrter Sadist, ein Irrer, der keine Gefangenen macht. Bardem transportiert all dies mit einer beängstigenden Kälte und Präzision. Während einer recht frühen Strangulationsszene genügt ein Blick in seine Augen, damit sich einem die Nackenhaare aufstellen.

Die Coens lieben es, Geschichten aus dem Herzen Amerikas zu erzählen. Dort, wo die Weite der Landschaft alles überragt, setzen sie eine Spirale aus Gewalt und Chaos in Gang, aus der es letztlich kein Entrinnen gibt. Mit jeder neuen Szene – vom ersten Aufeinandertreffen der Kombattanten im versifften Motel bis zur Schießerei auf offener Straße – kommen hier die tödlichen Einschläge ein kleines Stück näher. Auf blutigen Pfaden und verpackt in lakonische Bilder erzählt No Country for Old Men von der trügerischen Hoffnung auf ein richtiges Leben im Falschen.

Marcus Wessel

aus: programmkino.de  

Letzte Aktualisierung ( 06.06.2008 )
 
Abgedreht - Be Kind Rewind PDF Drucken E-Mail
15.05.2008
ImageOT: Be Kind Rewind
USA 2007.
Regie: Michel Gondry
Buch: Michel Gondry
Darsteller: Jack Black, Mos Def, Danny Glover, Mia Farrow, Melonie Diaz, Sigourney Weaver
Web: www.abgedreht.senator.de
101 Minuten, Format: 1:1.85

Ein dummer Zufall sorgt dafür, dass sämtliche Videokassetten in der Videothek von Mike gelöscht werden. Zusammen mit seinem Freund Jerry macht sich Mike daran, das Geschäft vor dem Ruin zu bewahren: Indem sie die Hollywood-Hits auf eigene Faust und mit originellen Einfällen nachdrehen. Michel Gondrys Film ist eine anachronistische Hommage an die Videokassette, vor allem aber an ein Maß an Phantasie, dass im Mainstream-Kino nicht mehr oft zu finden ist.


PRESSESTIMMEN


Eine wunderbare Liebeserklärung ans Kino und an den Jazz, die durch Michel Gondrys Ideenreichtum und spielfreudige Darsteller dramaturgische Holprigkeiten schnell vergessen lässt, sich komödiantisch gegen Konformismus wendet sowie Kreativität und Solidarität feiert. - Sehenswert.
film-dienst

...beschwört mit Schwung und Witz die Kraft des Kinos.
Stern

Eine phänomenal witzige und warmherzige Hommage an die Liebe zum Kino und zum Filmemachen. Gondry = Genie.
Der Tagesspiegel Berlin

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Letzte Aktualisierung ( 22.05.2008 )
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Im Tal von Elah PDF Drucken E-Mail
01.05.2008
ImageOT: In the Valley of Elah
USA 2007
Regie: Paul Haggis
Buch: Paul Haggis
Kamera: Roger Deakins
Schnitt: Jo Francis
Musik: Mark Isham
Darsteller: Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarondon, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker, Jason Patric
124 Minuten, Format: 1:2,35 (Scope)
Web: www.inthevalleyofelah.com


Die zweite Regiearbeit von Paul Haggis („L.A. Crash“) ist ein weiterer amerikanischer Film, der sich mit den Auswirkungen des Irak Kriegs beschäftigt. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht das unmittelbare Geschehen im Irak, sondern die Folgen, die der Krieg auf die Psyche der heimkehrenden Soldaten hat. Eingebettet in eine oft sehr generische Krimi-Handlung wird der Film von der herausragenden Darstellung Tommy Lee Jones getragen, der auf subtile Weise den Wandel eines Vaters vom überzeugten zum skeptischen Patrioten veranschaulicht.


PRESSESTIMMEN


Eine gelungene Regiearbeit von Paul Haggis ("L.A.Crash") mit einem tollen Tommy Lee Jones.
KulturSPIEGEL

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FILMKRITIK


Kaum von seinem Einsatz im Irak zurückgekehrt, verschwindet Mike Deerfield (Jonathan Tucker) unerlaubt von seinem Stützpunkt. Ein Anruf bei seinem Vater Hank (Tommy Lee Jones), selbst ein ehemaliger Soldat, der bei der Militär-Polizei beschäftigt war, setzt die Ereignisse in Gang. Hank macht sich auf den Weg zu Mikes Stützpunkt in Fort Rudd, New Mexiko, um selbst in Erfahrung zu bringen, was mit seinem Sohn geschehen ist. Kurz nach seiner Ankunft wird die zerstückelte, bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche Mikes gefunden. Die örtliche Polizei hat wenig Interesse an dem Fall und ist froh ihn der Jurisdiktion des Militärs zu übergeben. Dort allerdings hat man an einem möglichen Skandal ebenso wenig Interesse und bemüht sich schnelle, einfache Antworten zu geben.

Schon hier zeigt sich die erfreuliche Vielschichtigkeit des Films. Immer wieder werden juristische Spitzfindigkeiten angedeutet, die Oberflächlichkeit der Ermittlungen betont, die Frage gestellt, welche Konsequenzen es hat, wenn eine Institution wie die Armee über sich selbst zu Gericht sitzen darf. Im Gegensatz zu dem oft plakativen „L.A. Crash“, der die latenten Rassenprobleme Los Angeles mit wenig subtiler Symbolik auflud, schafft es Haggis hier, die Krimi-Handlung unterschwellig zu vertiefen. Ganz nebenbei zeichnet er so das Bild einer Armee, die auf primitiven, fleischlichen Gelüsten aufgebaut ist, die sich in Striplokalen und Oben Ohne-Bars abspielt.

Letzte Aktualisierung ( 15.05.2008 )
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