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01.04.2010 |
Die brillante Tragikomödie „Up in the Air“ mit Superstar George Clooney in der Hauptrolle wurde bereits als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Tatsächlich reflektiert der treffsicher inszenierte Hollywood-Film über den bindungslosen Vielflieger und Meilenjunkie Bingham die Finanzkrise auf dem Hintergrund gesamtwirtschaftlichen und privaten Scheiterns, trotz allem Tiefgang, hochunterhaltsam. Bekannt für seine bissigen, gesellschaftsrelevanten Kommentare gelingt dem kanadischen Independent-Regisseur Jason Reitman ein intelligentes „Feel Better Movie“ für schlechte Zeiten.
USA 2009 Regie: Jason Reitman Buch: Sheldon Turner Kamera: Eric Steelberg Darsteller: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Danny McBride, Melanie Lynskey, Amy Morton, Sam Elliott, Zach Galifianakis, J.K. Simmons Länge: 110 Minuten Web: www.up-in-the-air.de
PRESSESTIMMEN"Intelligente Unterhaltung für Erwachsene, spaßig und zeitkritisch." KulturSPIEGEL
FILMKRITIKRyan Bingham (George Clooney), König der Bonusmeilen, kennt nur ein Ziel: der siebte Mensch zu werden, der als Frequent Flyer die sagenumwobene eine-Millionen-Meilen Schallmauer durchbricht. Dafür jettet der bindungslose Motivationstrainer durch die Staaten. Rastlos jagt der charmante Workoholic Meilen hinterher. Das Ganze im Auftrag seiner Firma. Denn der passionierte Luftikus ist der Mann fürs Grobe. Der vertrauenserweckende Geschäftsmann schreitet unverfroren zur Tat, wenn feige Firmenchefs ihre Angestellten nicht selbst kündigen wollen. In exklusiven Workshops erklärt er den Wegrationalisierten hinterher psychologisch geschickt die angeblich positive Seite ihrer sogenannten Freistellung.
Jeder Mensch trägt einen Rucksack durchs Leben. Je mehr Gegenstände wie Kleider, Fernseher, Häuser und Beziehungen sich in diesem Gepäckstück befinden, umso schwieriger können wir uns bewegen. Dieses Sinnbild verwendet der clevere Ray für seine Vorträge. „Du lebst“, warnt ihn dagegen seine ältere Schwester Kara (Amy Morton) am Telefon, „so fürchterlich isoliert“. Ray weiß es freilich besser. „Ich bin doch mittendrin“, verkündet ihr agiler Bruder während er wieder einmal in Hochstimmung ein Flughafengebäude verlässt.
Immerhin besitzt seine Vielfliegerei einen Vorteil. Er kann ihren Auftrag ausführen. Da seine jüngere Schwester Julie (Melanie Lynskey) bald ihren Verlobten Jim (Danny McBride) heiratet, wünscht sie sich von ihrem großen Bruder Fotos von sich und Jim vor diversen Touristenattraktionen. Grund: Für eine Hochzeitsreise reicht das Geld nicht. Widerwillig muss Ray jetzt eine zu grosse Pappversion von beiden in seinem Gepäck mit schleppen. Demonstrativ zelebriert der Mittvierziger trotzdem lässig seine Unabhängigkeit.
Doch als die junge ehrgeizige Harvad-Studentin Natalie Keener (Anna Kendrick) auftaucht und er sich gleichzeitig auf eine lockere Affäre mit der selbstbewußten Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga) einlässt, gerät sein einsamer Lebensentwurf samt Weltbild ins Wanken. Denn die ambitionierte Studienabgängerin Natalie überzeugt seinen Chef, dass es wesentlich effizienter ist Entlassungen übers Internet per Videokonferenz abzuwickeln. Ein Vorschlag, der ihn unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückbringen würde. Und Alex löst bei ihm Gefühle aus, die er sich kaum eingesteht.
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Letzte Aktualisierung ( 15.04.2010 )
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05.03.2010 |
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Deutschland 2009 Regie: Detlev Buck Darsteller: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Michael Ostrowski, Jens Harzer, Stefan Konarske, Mario Adorf, Wanda Badwal, Daniel Nocke 107 Minuten Web: www.samesame-themovie.com
Detlev Buck hat zum ersten Mal eine Liebesgeschichte verfilmt. Romantisch ist sie nicht gerade. Die Frau, die der Rucksackreisende Ben in Kambodscha kennen lernt, hat Aids. Doch Ben lässt seine asiatische Freundin nicht fallen, ist bereit, ihr Schicksalspäckchen mitzutragen – bis an ihr Lebensende. Vertrauen ist da wichtig. Zweifel und kulturell bedingte Unterschiede aber nagen an der Beziehung, die dem in Hamburg lebenden Benjamin Prüfer tatsächlich so widerfahren ist. Keine leichte Kost also. Trotzdem findet Buck Gelegenheit für Humor und Hoffnung.
FILMKRITIK Dafür, dass Benjamin Prüfer während seiner Asienreise mit einem Kumpel nach einer Tuk-Tuk-Panne aus Angst vor einem Überfall panisch die Flucht ergreift, als ein Trio junger Kambodschaner Hilfe anbietet, ist sein weiteres Verhalten doch mehr als mutig. In Phnom Penh nämlich lernt Ben (David Kross) das Barmädchen Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) kennen und lieben. Eine Fernbeziehung entspinnt sich – und bleibt auch dann noch bestehen, als Sreykeo via Skype beichtet, HIV-positiv zu sein. Ben – zu diesem Zeitpunkt wieder in Hamburg - steht seiner Freundin bei, besorgt ihr Medikamente, fliegt erneut nach Kambodscha.
All zu viel erdichten konnte Detlev Buck für seinen ersten Liebesfilm nicht. Die Geschichte ist wahr, 2003 lernte der damals 23 Jahre alte Ben seine zukünftige Frau kennen. 2006 sorgte seine Reportage in der Zeitschrift Neon für Aufmerksamkeit, im Jahr darauf folgte unter dem Titel „Wohin du auch gehst“ eine ausführliche Reflektion in Buchform. Heute lebt das Paar mit den beiden gemeinsamen Kindern in Phnom Penh.
Detlev Buck erzählt die Geschichte einer fast unmöglichen Liebe eher nüchtern und so nah an den Fakten wie möglich – vor allem aber aus Sicht des Deutschen. Viele Einzelheiten lässt er allerdings auch weg, weshalb man sich dann schon mal fragt, wie Ben das eigentlich macht, als junger Bursche ständig Geld nach Kambodscha zu überweisen – 250 Dollar sollen es monatlich gewesen sein. Dass die Story jedoch nicht zum schwermütigen Krankheitsdrama verkommt, liegt zu einem großen Teil auch an der buddhistischen Sichtweise Sreykeos, aber auch an der Sensibilität, mit der sich Buck den schicksalsgeprüften Figuren nähert. David Kross („Der Vorleser“, „Krabat“) und Apinya Sakuljaroensuk stellen die durchaus verständliche Unsicherheit ihrer Figuren überzeugend dar. Für Beziehungsromantik ist in Anbetracht der Situation allerdings kein Platz.
Für Backpackerromantik hingegen schon. Dank ihrer und auch den auf Hamburger Verlagsfluren geführten (großkotzigen) Die-Welt-gehört-uns-Gesprächen gibt’s aber doch den ein oder anderen Moment zum Schmunzeln. Vor allem Jens Harzer als Bens so eigensinniger wie gönnerhafter Bruder hat ein paar starke Momente, Michael Ostrowski darf wie in „Contact High“ den ewig bekifften Traveller geben. Bei den Szenen in Asien erfolgt der Blick allerdings viel zu oft nur durch die westliche Brille. Same same but different, jene Redewendung aus Thailand, die immer dann bemüht wird, wenn Dinge beschrieben werden sollen, die sich im Grunde zwar ähneln, letztlich aber doch in ihrem eigenen Kontext kulturelle Unterschiede oder Sichtweisen aufweisen – mag sicher manche Situation für Ben und Sreykeo beschreiben. Buck gelingt es leider nicht immer, die Sicht beider Figuren und ihrer inneren Welten tatsächlich auch zu vermitteln.
Ein Versuch, es doch zu tun, erfolgt über die Musik. Sie reicht von aggressiven Rammstein-Hymnen bis hin zu zarten Liebesgedichten von Cat Power und neuen Stücken von Konstantin Gropper („Get well Soon“), der zuletzt ja schon in Wim Wenders „Palermo Shooting“ und Michael Glawoggers „Contact High“ am Soundtrack beteiligt war. Was die Atmosphäre betrifft: auch Angkor Wat rückt für einen kurzen Moment stimmungsvoll ins Bild, die Handlung selbst bleibt den Ruinen jedoch fern. Dafür bietet Phnom Penh als selbst dem Verfall anheim gegebene Kulisse den perfekten Rahmen für eine Geschichte vom Untergang und wie man ihn motiviert für das Gefühl einer großen Liebe hinauszögert. Es mag der autobiografischen Vorlage geschuldet sein, dass diesem Film dramaturgische Höhepunkte fehlen und Buck sich wiederholt in Überraschungsmomente von Gastauftritten wie Mario Adorf, Daniel Nocke, Anatol Taubman und Olli Dietrich flüchtet. Jana Marsiks sich vorsichtig den Figuren nähernde Kamera und das glaubhafte Spiel der beiden Hauptdarsteller fangen dies aber wieder auf. Fazit also: eine nahegehende Liebesgeschichte, ja, aber eben eine der Sorte „Same same but different“.
Thomas Volkmann
aus: programmkino.de
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Letzte Aktualisierung ( 01.04.2010 )
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Das Kabinett des Dr. Parnassus |
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05.03.2010 |
Frankreich/Kanada 2009 Originaltitel: The Imaginarium of Doctor Parnassus Regie: Terry Gilliam Darsteller: Johnny Depp, Heath Ledger, Jude Law, Colin Farrell, Christopher Plummer, Tom Waits, Lily Cole, Verne Troyer Laufzeit: 122 Minuten Web: www.doctorparnassus.co.uk
Der geheimnisvolle Dr. Parnassus reist mit seiner Truppe durch das heutige London. Er verspricht seinem Publikum mittels eines Spiegels in eine Parallelwelt einzutreten. Doch der mangelnde Glaube an Wunder sowie der einst geschlossene Pakt mit dem Teufel, setzen dem Magier mächtig zu. Kinovisionär und Ex-Monty-Python Terry Gilliam liefert ein optisch zum Teil überfrachtetes und inhaltlich streckenweise allzu dünnes Werk ab. Dem verstorbenen Schauspieler Heath Ledger wird hier jedoch ein filmisches Denkmal der besonderen Art gesetzt.
FILMKRITIK Ein wahrhaft skurriles Gefährt ebnet sich seinen Weg durch die nächtlichen Straßen von London. Ein Wandertheater wie aus einer anderen Welt. Doch was eigentlich die Blicke auf sich ziehen sollte, wird vom potentiellen Publikum vielmehr verschmäht. Es bedarf der enormen Anstrengung der nicht minder bizarren Schausteller, um die Aufmerksamkeit der zahlenden Gäste auf sich zu ziehen. Dabei verspricht der geheimnisvolle Dr. Parnassus (Christopher Plummer) nicht weniger, als in ein Universum unbegrenzter Fantasien einzutreten. Das Tor zwischen dieser und jener Welt soll ein magischer Spiegel sein.
Doch wer glaubt heutzutage schon noch an Wunder? Und so laufen dann auch die Geschäfte so schlecht, dass die Truppe am Rande der Existenz dahindümpelt. Zu allem Überfluss ist ihnen auch noch der Teufel in Gestalt des Mr. Nick (Tom Waits) auf den Fersen. Mit ihm hat Dr. Parnassus einst einen Pakt geschlossen. Ewiges Leben wurde ihm versprochen, wenn er im Gegenzug seine Tochter freigibt, sobald diese das Alter von 16 Jahren erlange. Dass er noch zu späten Vaterfreuden kommen würde, hatte Parnassus damals nicht erahnt. Nun jedoch ist seine Tochter Valentina (Lily Cole) Teil der Theatertruppe und ihr 16. Geburtstag steht kurz bevor. Glücklicherweise sind jedoch sowohl der Teufel als auch Dr. Parnassus unverbesserliche Spieler. Und so bekommt der alte Magier noch einmal die Chance, seine Tochter vor dem Teufel zu retten.
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Letzte Aktualisierung ( 18.03.2010 )
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21.01.2010 |
OT: The Yellow Handkerchief USA 2008, 96 Min. R: Udayan Prasad K: Chris Menges D: William Hurt, Kristen Stewart, Maria Bello, Eddie Redmayne u.a.
Als Brett (William Hurt) nach sechs Jahren Gefängnis entlassen wird trifft er auf die einsamen Streuner Gordy (Eddie Redmayne) und die 15-jährige Martine (Kristen Stewart). Mit Gordys Auto beginnt ein Roadmovie in die Innenwelten der Drei durch das von dem Wirbelsturm Katrina zerpflügte Louisiana. Vor allem die Erinnerung an seine große Liebe May (Maria Bello) lässt Brett nicht los. Er schreibt ihr eine Postkarte, mit der er ihrer Liebe eine letzte Chance gibt ... Sensibles Drama das dank der vorzüglichen Akteure nie gefühlsduselig wird.
FILMKRITIK Sieht man das Leben als eine Reise mit Sackgassen und Umwegen, gespickt mit kleinen und großen Begegnungen, schmiegt sich das Genre des Roadmovies seiner Natur nach ideal an diese Metapher an. Ein hübscher Beitrag des Genres ist „Das gelbe Segel“ des britischen, in Indien geborenen Regisseurs Udayan Prasad. Der Film erzählt die Story eines Ex-Sträflings und zweier Teenager, die im sommerlichen Louisiana einige Tage und viele Meilen in einem ranzigen Straßenkreuzer-Cabrio verbringen und dabei Geschichten, Leid und Hoffnungen miteinander teilen. Neben wildromantischen Bildern und straßenphilosophischen Dialogen trägt eine markante, mit viel Gespür gewählte Besetzung den durchweg optimistischen Film: William Hurt (A History Of Violence, Der unglaubliche Hulk) als nicht gänzlich einzuordnender, aber doch vertrauenserweckender Ex-Sträfling Brett harmoniert perfekt mit den Teenagern Martine (Kristen Stewart, Twilight) und Gordy (Eddie Redmayne, Der gute Hirte). Zwangsselbstständig, aber nicht erwachsen, aussätzig und auf der Suche nach Halt und Trost finden die Teenager in ihrem vom Leben gezeichneten Begleiter eine Vaterfigur. Für den wiederum ist guter Rat teuer, da ihn ein Phantom aus seiner Vergangenheit einfach nicht loslässt: Seine von der charakterstarken Maria Bello (The Cooler) verkörperte Ex-Frau May.
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Letzte Aktualisierung ( 04.02.2010 )
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07.01.2010 |
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GB 2009 Regie: Ken Loach Drehbuch: Paul Laverty Kamera: Barry Ackroyd Darsteller: Steve Evets, Eric Cantona, Stephanie Bishop, Gerard Kearns, Stefan Gumbs. Länge: 119 Minuten Web: www.delphi.film.de
Nach dem Flop ist vor dem Flop – die alte „Fußball-im-Kino-geht-nicht“-Weisheit gilt als goldene Regel. Doch seit wann würde ein Ken Loach sich schon an Regeln halten? Nach seinen herben Sozialdramen überrascht der Brite nun mit einer vergnüglichen Komödie. Der verzweifelte Briefträger Eric erobert sich mit Hilfe des Fußball-Stars Eric Cantona (leibhaftig) und viel Solidarität der Kollegen seine kleine Welt und sogar die große Liebe zurück – und Ken Loach eroberte damit ganz gekonnt Cannes: Diesmal gab’s zwar kein Gold, aber dafür reichlich Beifall und rauschenden Szenenapplaus, quasi die „Palme der Herzen“ für ein (im doppelten Wortsinn) märchenhaftes Feelgood-Movie.
PRESSESTIMMEN Eine herzerfrischende Komödie. Sehr sehenswert! ZDF Heute Journal
Ein entspannter Film über die Kraft der Fantasie und die Solidarität der Herzen. Cinema
…wahrt seine Balance aus Komik und Ernsthaftigkeit bis zum Ende, wofür es (auf dem Festival in Cannes) rauschenden Beifall gab. Berliner Zeitung
FILMKRITIK Eric Bishop, der Briefträger aus Manchester hat es nicht leicht als alleinerziehender Vater mit zwei Teenagern. Nicht zu vergessen, dass er der Trennung von seiner großen Liebe Lily seit langen Jahren nachtrauert, zum Neuanfang aber viel zu feige ist. Die Lage verschärft sich, als einer der aufmüpfigen Söhne immer tiefer in die Kriminalität abzurutschen droht, sogar eine Waffe ist nun im Spiel. Der Vater reagiert so hilflos wie frustriert. Vergeblich versuchen die Kollegen bei der Post, ihren verzweifelten Kumpel wieder aufzurichten, doch der ist bald am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Zum Glück findet der Postbote Trost bei einem anderen Eric, bei Eric Cantona, dem legendären Fußballstar von Manchester United. Wie ein Engel erscheint dem Briefträger (nach etwas Cannabis-Genuss aus dem Versteck des Stiefsohns) sein großes Idol und erteilt gute Ratschläge. Dem coolen Kicker als Berater sei Dank, gibt es bald wieder Hoffnungsschimmer im tristen Leben des Briefträgers, am Ende triumphiert man gar in einer wunderbaren Aktion von Solidarität gemeinsam gegen das Böse: alle Postler gemeinsam demolieren, mit einheitlicher Cantona-Maske über dem Gesicht, das protzige Domizil des lokalen Drogenbosses und drohen, dessen Gesichtsverlust als Video bei YouTube ins Netz zu stellen.
Was nach Seifenoper und Kitsch klingen könnte, verliert bei Loach nie den Boden der Wirklichkeit. Sein langjähriger Drehbuch-Partner Paul Laverty entwirft sein sozialromantisches Märchen ohne belehrende Webfehler, dafür mit geschliffenen Dialogen sowie reichlich Gespür für Situationskomik. Sei es mit dem amüsanten Rollenspiel der Postler, die gerne Gandhi, Sinatra oder Mandela wären. Oder mit jenen guten Ratschlägen, die kaum mehr als Kalendersprüche sind, aber dennoch verblüffende Wirkung beim frustrierten Helden zeigen: „Wer Angst vor dem Würfeln hat, wirft nie eine Sechs“ heißt es etwa, oder: „Teamwork ist alles“.
Für das Teamwork mit seinen exzellenten Schauspielern ist Regie-Altmeister Loach seit jeher bekannt, mit dem Einwechseln der exzentrischen Fußball-Ikone Cantona gelingt ihm nun ein echter Coup. Während seine Starkicker-Kollegen von Beckenbauer bis Pelé auf der Leinwand bekanntlich selten mehr als hölzerne Amateurliga-Lachnummern boten, verfügt Cantona über das notwendige Charisma und, fast noch wichtiger, die erforderliche Prise an Selbstironie. „Ich bin kein Mensch, ich bin Cantona“, erklärt er da augenzwinkernd seinem größten Fan Eric, um wenig später mit seiner Trompete die Marseillaise zu trällern.
Erstmals seit gut 20 Jahren entscheidet sich der Maestro des sozialen Arbeiterdramas für die Form der Komödie, einer romantischen obendrein. Mit erstaunlicher Leichtigkeit hält Loach dabei die Balance aus Witz und Verzweiflung und präsentiert einen warmherziger Wohlfühlfilm voll Realismus der märchenhaften Art. Die Fußball-Regeln fürs Kino dürften nun wohl neu geschrieben werden…
Dieter Oßwald
aus: programmkino.de
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Letzte Aktualisierung ( 21.01.2010 )
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