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| 13.08.2009 | |
Deutschland 2009Regie + Kamera: Peter Dörfler Schnitt: Peter Dörfler, Vincent Pluss Musik: Bernd Schultheis Mit: Norbert Witte, Pia Witte, Marcel Witte, Sabrina Witte 88 Minuten Web: www.achterbahn-der-film.de Über eine unscheinbare Zeitungsnachricht fand Regisseur Peter Dörfler den Stoff, der sich als Glücksfall für den Dokumentarfilmer heraus stellte. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Schaustellerkönigs Nobert Witte, der nach der Wende den Vergnügungspark „Kulturpark-Berlin“ in Ostberlin übernahm, ihn zum „Spreepark“ hochrüstete, pleite machte und sich nach Peru absetzte, bietet echtes Drama, schillernde und auskunftsbereite Hauptdarsteller und melancholische Kindheits-Sehnsuchtsbilder aus der Welt der Karussells und Autoscooter. FILMKRITIKVon den Bildern des geschlossenen Vergnügungsparks „Spreepark“ in Berlin, mit denen ACHTERBAHN beginnt, geht ein melancholischer Charme aus. Wie verwunschen schlafend liegen die großen Sauriermodelle auf der Seite. Die Reste bunter Karussellanlagen erinnern an längst vergangene, verblichene Kinderträume. Träume einer prächtigen Spaßwelt, wie sie auch der einstige Besitzer, der charismatische Schaumschläger Norbert Witte, hatte. Von den großen Träumen ist in der Gegenwart nicht viel geblieben. Witte sitzt in der JVA Plötzensee in Berlin eine 7-jährige Strafe für versuchten Rauschgiftschmuggel ab und arbeitet als Freigänger in einer Tabledance-Bar. Sein Sohn Marcel ist für das gleiche Vergehen in Peru zu 20 Jahren Haft verurteilt worden und seine Frau Pia wirft ihm vor, das Leben seines Sohnes ruiniert zu haben. Zusammen mit Tochter Sabrina kämpft sie um Marcels Freilassung oder wenigstens seine Überstellung nach Deutschland. Ausgehend von den Bemühungen der Familie, Marcel in Lima aus dem Gefängnis zu holen, erzählt Peter Dörfler in Rückblicken die dramatische Geschichte von Aufstieg und Fall des Schaustellerfamilie Witte. Von bescheidenen Anfängen auf dem Hamburger Dom führt die Reise nach Jugoslawien und Italien und schließlich nach Berlin, wo Witte nach der Wende den DDR-Vergnügungspark „Kulturpark-Berlin“ im Plänterwald übernimmt, zum „Spreepark“ hochrüstet und ihn dann gemeinsam mit dem Berliner Senat ruiniert, bevor er sich mit 15 Millionen Euro Schulden und mehreren Fahrgeschäften aus der Insolvenzmasse nach Peru absetzt, um dort einen Neustart zu wagen. Als Zeugen der Ereignisse lässt Dörfler fast ausschließlich die Familie Witte, ihre Anwälte und loyale Kollegen aus den Dom- und Spreepark-Tagen zu Wort kommen. ACHTERBAHN geht es nicht um eine Aufarbeitung der Skandale, der nachträglichen Baugenehmigungen, Schmiergeldaffären und Fahrlässigkeiten, die Wittes Karriere begleiten und von denen man eher am Rande erfährt, sondern um das Porträt einer faszinierend schillernden Familie. Noch in seinem angeschlagenen Zustand im Gefängnis entfaltet Witte, der auf alten Fotos in Aussehen und manischer Ausstrahlung dem jungen Fassbinder ähnelt, einen beträchtlichen Charme und Unterhaltungswert. Ebenso Ehefrau Pia, die jahrelang alleine mit zwei kleinen Kindern jugoslawische Rummelplätze bereiste und der man im Film dabei zusieht, wie sie tough und gestylt peruanische Hinterhöfe abklappert und fachmännisch verrottete Karusselle begutachtet. Der Zusammenhalt der Familie durch alle Höhen und Tiefen ist beeindruckend. Wie weit man ihrem Selbstbild Glauben schenkt, bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen.
aus: programmkino.de |
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| Letzte Aktualisierung ( 24.09.2009 ) |
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