Programm
Aktuelles Programm
Gigante | Gigante |
|
|
|
| 12.11.2009 | |
Uruguay 2008Regie: Adrian Biniez Drehbuch: Adrian Biniez Kamera: Arauco Hernandez Schnitt: Fernando Epstein Musik: Adrian Biniez Darsteller: Horacio Camandule, Leonor Svarcas, Nestor Guzzii, Federico Garcia, Fabiana Charlo, Ernesto Liotti Länge: 84 Min. Web: www.neuevisionen.de Eine minimalistische Studie ist dieser Film aus Uruguay. Über weite Strecken von „Gigante“ spricht die Hauptfigur, der schwere Wachmann Jara kein Wort, beobachtet ihn der Film bei alltäglichen Beobachtungen und einer sich langsam entwickelnden Beziehung. In seinem zurückgenommenen Stil ein durchaus zeitgemäßer Film, dem allerdings ein wenig mehr Leben gut getan hätte. PRESSESTIMMENEin zärtlicher, amüsanter Liebesfilm ohne große Worte, auf der Berlinale unter anderem mit dem Großen Preis der Jury bedacht. KulturSPIEGEL FILMKRITIKSchwer und etwas unbeholfen wirkt Jara, Wachmann in einem Supermarkt, bei all seinen Tätigkeiten. Meist sind diese sitzend, beobachtend. Auf den Monitoren der Überwachungskameras verfolgt er das Geschehen im Supermarkt, sieht Kunden und Angestellte, die nicht ahnen, dass sie fortwährend beobachtet werden. Nach Dienstschluss trottet Jara nach Hause, geht ebenso banalen Tätigkeiten nach wie während der Arbeit und geht abends zu seinem zweiten Job. Als Türsteher in einer Disko wird er eher wegen seiner einschüchternden Größe ernst genommen als auf Grund von wirklicher Überzeugungskraft. Das einzige Anzeichen, dass es hinter der lethargischen Fassade brodeln könnte, bietet das T-Shirt einer Heavy-Metal Band, das Jara oft trägt. Selbst als Jara auf den Überwachungsmonitoren die neue Putzfrau Julia sieht und sich sofort in sie verguckt, kann er nicht aus seiner Haut. Viel zu lange hat er sich eine Existenz zurechtgelegt, die auf möglichst wenig zwischenmenschlichem Kontakt basiert. Umso schwerer fällt es ihm nun, sich der Auserwählten zu nähern. Was ihm bleibt sind die Monitore, die ihn in eine Gott-gleiche Position versetzen. Wenn er sieht, dass Julia von einem Kollegen dumm angemacht wird, drückt er den Feueralarm; als er beobachtet, wie Julia Ärger mit dem Chef hat, warnt er sie vor dessen Auftritten. Bald verfolgt Jara Julia auch nach Dienstschluss, beobachtet ihr Leben, agiert als eine Art Schutzengel, der vom Subjekt seiner Dienste allerdings nicht wirklich wahrgenommen wird. Dass es schließlich doch zu einer Eskalation der Ereignisse kommt, das all die aufgestauten Emotionen schließlich doch aus Jara ausbrechen, ist unausweichlich, doch bis dahin lässt sich Regisseur Adrian Biniez sehr viel Zeit. Er macht das geschickt, mit viel Gespür für genaue Beobachtungen und kleine Gesten. Er sucht nicht die grobe komische Situation, sondern den fein beobachteten, immer leicht melancholischen Humor a la Aki Kaurismäki oder Jim Jarmusch. Doch es ist ein schmaler Grad, den Biniez in seinem Debütfilm geht. Ein Grad, den auch die großen Vorbilder nicht immer erfolgreich gehen. Auf Dauer reicht es eben nicht aus, auf lakonische Weise einen Ritter der traurigen Gestalt zu beobachten, ihn durch betont banale Ereignisse zu schicken, die sich mit leichten Variationen entwickeln. Irgendwann muss etwas passieren, muss sich die Situation zuspitzen. Zwar gibt es auch in „Gigante“ eine Art Finale, wirklich zwingend ist es aber nicht.
aus: programmkino.de |
|
| Letzte Aktualisierung ( 01.06.2010 ) |
| < Zurück | Weiter > |
|---|
Uruguay 2008