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Roman Polanski: A Film Memoir Drucken E-Mail
ImageGroßbritannien/Italien/Deutschland 2011
Regie: Laurent Bouzereau
Mitwirkende: Roman Polanski, Andrew Braunsberg.
Länge: 90 Min. – O.m.d.U.
Web: www.eclipse-film.de

Roman Polanski ist ein außergewöhnlicher Filmemacher und kann auf ein bewegtes Leben voller Höhen und Tiefen zurückblicken. In der Dokumentation von Laurent Bouzereau erzählt er im persönlichen Gespräch seinem guten Freund, dem Produzenten Andrew Braunsberg, von seinen Anfängen bis in die heutige Zeit. „Roman Polanski: A Film Memoir“ ist gleichermaßen ein berührendes Porträt und eine subjektive Hommage an einen großen Künstler.



FILMKRITIK


Es ist dieses ständige auf und ab, das Roman Polanskis Leben immer gekennzeichnet hat. Selbst gesucht hat er das in den wenigsten Fällen und wirkt eher wie ein Mensch, der sich nach Ruhe und Harmonie sehnt, bis das Schicksal es wieder anders mit ihm gemeint hat. Der Film beleuchtet chronologisch die einzelnen Stationen seines Lebens, angefangen von seiner Kindheit im Krakauer Ghetto, über die ersten Filme in Polen, den Umzug nach Paris und seine Karriere in Europa und Amerika, gekrönt mit einem Oscar. Polanski spricht über den tragischen Mord an seiner schwangeren Frau Sharon Tate, die Kontroversen um seine Verhaftung im Jahr 1977 wegen Missbrauchs einer Minderjährigen und sein heutiges Schaffen und Leben in Frankreich mit seiner Frau Emmanuelle Seigner.

Die Gespräche wurden während Polanskis Aufenthalt in seinem Haus in Gstaad aufgezeichnet, wo er nach seiner Verhaftung auf dem Weg zum Zürich Film Festival in 2009 mehrere Monate lang unter Hausarrest der Schweizer Behörden stand. Ein Interview wurde allerdings nach dem Exil geführt, und in diesem gibt Polanski offen und glaubwürdig zu, dass die Affäre mit der damals 13-jährigen Samantha G. ein sehr großer Fehler in seinem Leben war. Das Opfer, heute längst erwachsen, hat ihm verziehen und kritisiert unverhohlen die Medien, die ihr mit der sensationsheischenden Berichterstattung weit mehr Schaden zugefügt haben als Polanski. Der damalige Gerichtsprozess war der Beginn einer Farce, die Polanski bis heute verfolgt und obwohl es nicht ausdrücklich thematisiert wird, bekommt man einen guten Eindruck vom amerikanischen Rechtssystem, das es damals zugelassen hat, dass sich ein wahrscheinlich antisemitisch eingestellter Richter profilieren konnte. Umso unverständlicher, dass über 30 Jahre später die Schweizer Behörden das Süppchen wieder hochgekocht haben. Da ist wohl Justitias Augenbinde etwas verrutscht.

Neben dem Privatmenschen kommt aber auch das filmische Werk nicht zur kurz. Unterlegt von Ausschnitten, Making-Ofs und Fotos erzählt Polanski von seinen Filmen, angefangen von seinem noch in Polen gedrehten Kurzfilm „Zwei Männer und ein Schrank“ bis hin zur Dickens-Verfilmung „Oliver Twist“. „Der Ghostwriter“ und „Der Gott des Gemetzels“ waren zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht fertiggestellt. Der Zuschauer erfährt, dass die britische Produktion „Ekel“ aus dem Jahre 1965, die der damals noch wenig bekannten französischen Darstellerin Catherine Deneuve den Weg zum Superstar ebnete, eine Auftragsproduktion gewesen ist, die Polanski eigentlich gar nicht sonderlich mochte, ihm aber zum Durchbruch im englischsprachigen Raum verholfen hat. Weitere Anekdoten zu den Dreharbeiten zu „Tanz der Vampire“, „Rosemarys Baby“ „Chinatown“ und „Der Mieter“, und folgen.

So wird „Roman Polanski: A Film Memoir“ auch zu einer nostalgischen Reise, an deren Ende die Frage steht, welcher seiner Filme Polanski selbst am wichtigsten ist. Warum er „Der Pianist“ antwortet, haben wir soeben von ihm selbst erfahren, denn sehr vieles in diesem Film ist seinem eigenen Leben entnommen.

Eric Horst

aus: programmkino.de
Letzte Aktualisierung ( 25.09.2012 )
 
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