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LIFE OF PI: SCHIFFBRUCH MIT TIGER Drucken E-Mail
ImageUSA
Regie: Ang Lee
Darsteller: Suraj Sharma, Irrfan Khan, Tabu, Rafe Spall, Gérard Depardieu, Adil Hussein, Ayush Tandon, Shravanthi Sainath, Andrea Di Stefano
Filmlänge: 125 Minuten
Web: www.schiffbruchmittiger.de

In den USA bereits erfolgreich angelaufen:
Ang Lee zählt zu den hochkarätigsten Magiern der Traumfabrik. Seine Filme sind auf Oscars abonniert, er selbst holte bei A-Festivals mehr Gold als jeder andere. Wer, wenn nicht er, sollte den als unverfilmbar geltenden Bestseller von Yann Martel inszenieren, an dem sich zuvor M. Night Shyamalan und Alfonso Cuaron die Zähne ausgebissen hatten. Einmal mehr geht es um Lees Lieblingsthema, den Verlust der Unschuld. Die fantastische Story erzählt von der Reise des jungen Pi, der sich sein Rettungsboot mit einem wilden Tiger teilen muss. Diese märchenhafte Geschichte taucht der Regie-Maestro aus Taiwan in einen opulenten Rausch der Farben und zaubert ein Bilder-Spektakel in zuvor nie gesehener 3-D-Perfektion. Makellose Illusion trifft auf nachhaltige Story: mehr Wow für Herz und Hirn kann Kino kaum bieten - welch wunderschöne Bescherung!


PRESSESTIMMEN


Ein Mann, ein  Tiger, ein Boot. Allein auf dem Ozean, monatelang. Und das, äh, soll zwei Stunden Film füllen? Und wie! Weil Regisseur Ang Lee den Bestseller als prächtiges 3-D-Bilderspektakel verfilmt hat... Hier kann man schauen, schauen, schauen.
BRIGITTE

Ein Junge, ein Boot, ein Tiger – daraus kann man doch keinen guten Fim machen. Kann man doch, wie jetzt der meisterhafte ‚Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger’ beweist... Dass aus dieser minimalistischen Konstruktion ein erstaunliches Kinoerlebnis geworden ist, verdanken wir dem Regisseur Ang Lee. Der für ‚Tiger & Dragon’ und ‚Brokeback Mountain’ bereits mit zwei Oscars bedachte Taiwaner schuf Bilder von grandioser Wucht. Die Weite des Ozeans, das Farbenspiel der Wolken und Wellen, leuchtendes Planktion oder ein Schwarm Fliegender Fische: Als Zuschauer erlebt man Pis monatelange Odyssee auf dem Meer so intensiv mit, als säße man selbst in dem kleinen Kahn, Auge in Auge mit dem Königstiger. Mehr als je zuvor verschwindet die Grenze zwischen Leinwand und Betrachter… Die Magie von 3D blüht auf, brillant wie selten zuvor.
STERN


FILMKRITIK


Es war einmal ein kleiner, cleverer Junge in Indien, der allerlei Päckchen zu tragen hatte. Das fing bereits bei seinem Namen an. Weil der Onkel ein begeisterter Schwimmbadfan war, wurde der Neffe nach einer Pariser Badeanstalt benannt. „Piscine“ freilich verlockte böse Mitschüler zu fiesen Spitznamen, erst mit der mathematisch klingenden Kurzform fand der smarte Held eine lässige Lösung, den lästigen Wortspielen zu entkommen. Ähnlich einfallsreich erwies er sich beim Umgang mit den Religionen: Pi wollte Hindu, Christ und Moslem gleichzeitig sein, sehr zum Ärger des gestrengen Vaters, dem lokalen Zoodirektor. Ausgerechnet als Pi sich heftig verliebte, plante der Papa samt Tierpark nach Kanada auszuwandern. Die Pechsträhne hält an. Auf der Überfahrt gerät der Frachter in Seenot und sinkt. Besatzung und Passagiere ertrinken, nur Pi kann sich in ein Boot retten. Auch ein Zebra, eine Hyäne sowie ein Orang-Utan schaffen es auf das Rettungsboot. Und dann wäre da noch Richard Parker, der mächtige Tiger, der die kleine Arche Noah alsbald dezimiert. Fortan treiben Pi und Parker als ungleiches Duo über das Meer: Ein Katz- und Menschspiel auf hoher See beginnt und entwickelte sich zu einer schicksalhaften Reise der höchst surrealen Art. Mutig trotzt der kleine Junge der großen Gefahr. Als die Raubkatze über Bord geht und zu ertrinken droht, ruft er ihr zu: „Jesus, Maria, Mohammed und Vishnu, was für ein Glück, dass du da bist, Richard Parker! Nicht aufgeben, bitte. Komm ins Rettungsboot. ... Du musst nur schwimmen. Schwimmen!". Mit vereinten Kräften und nach einer verzweifelten Beschwerde bei Gott gelangt man auf eine wundersame Insel. Das Paradies indes entpuppt sich als trügerisch. In letzter Minute gelingt die Flucht vom todbringenden Eiland. Nach einer weiteren Odyssee landen Pi und sein gestreifter Partner endlich in der Zivilisation. Doch dort nimmt diese Geschichte eine völlig überraschende Wendung…

 

Nach dem smarten Familiendrama „Der Eissturm“, dem lässigen Gay-Klassiker „Brokeback Mountain“ oder dem kuscheligen Hippie-Happening „Taking Woodstock“ erweist sich der Regisseur aus Taiwan auch bei diesem (großenteils in seiner Heimat gedrehten) Abenteuerfilm als Meister aller Genre-Klassen, der auf der Klaviatur der Gefühle virtuos zu spielen versteht.

Einmal mehr beschäftigt sich Lee mit seinen Lieblingsthemen, dem Verlust der Unschuld und der Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen. „Wir müssen in unserem Leben einen Sinn suchen und diese Geschichte hilft dabei“, beschreibt der Regisseur seine Faszination für die Romanvorlage, die zum weltweiten Bestseller avancierte und selbst Barack Obama zu einem persönlichen Dankesschreiben an den Autor Yann Martel inspirierte. Prominenter Beifall wurde auch Lee bereits gezollt, „Avatar“-Pionier James Cameron adelte die CGI-Effekte seines Kollegen als „Meisterwerk“. Tatsächlich war eine derart märchenhafte Perfektion in 3-D auf der Leinwand bislang nicht zu erleben. Mittendrin, statt nur dabei, lautet die packende Parole. Das Toben der See lässt gleichsam den Kinositz mitschaukeln, das Zappeln des Zebras sorgt für ziemliches Unbehagen derweil des Helden verzweifelte Dompteur-Versuche mit einem Stock dank subjektiver Kamera zum echten Coup der Empathie geraten. Die innovativen CGI-Bilder verkommen dabei nie zur üblichen 3-D-Effekthascherei, sondern sind stets integraler Bestandteil der zauberhaften Abenteuergeschichte. Sei es jener realistisch tobende Tiger, der den Helden in echte Todesängste versetzt, der prasselnde Schwarm fliegender Fischen, der unvermittelt für neue Hoffnung sorgt oder ein plötzlich auftauchender Wal, der die mühsam geschaffene Ordnung der Habseligkeiten in Sekunden vernichtet. Bei so viel Perfektion könnte man glatt ins Grübeln geraten, ob es sich bei dem pampigen Koch tatsächlich um den leibhaftigen Gérard Depardieu handelt oder ob der beliebte Beleibte nicht gleichfalls aus dem Computer stammt. Neben dem urkomischen Gastauftritt des französischen Stars glänzt der indische Newcomer Suraj Sharma, der die schwierige Hauptrolle weitgehend ohne menschliche Gegenspieler mit charismatischer Lässigkeit stemmt.

Die große Kunst des Ang Lee besticht nicht zuletzt darin, dass er ohne Kitsch auskommt und mit spürbarer Wahrhaftigkeit und Wärme seinen Kosmos aus Sinn und Sinnlichkeit erschafft. Dieses famose Bilder-Opus lässt sich, wie ein Gemälde von Rousseau, einfach entspannt „nur so“ genießen oder, mit philosophischem Mehrwert, als unaufdringliche Einladung zum Nachdenken über Gott und die Welt und den Sinn des Lebens sehen. Wem der „Cloud Atlas“ zu kompliziert und verschachtelt daherkommt, dem bietet „Pi“ ganz unangestrengt ein visuelles Vergnügen der nachhaltigen Art. Die Vielzahl von unvergesslichen Szenen mit Gänsehautfaktor wird erneut Oscars prasseln lassen - wobei Preise diesem privat höchst bescheidenen Kino-Großmeister „immer etwas peinlich“ sind.

Dieter Oßwald

aus: programmkino.de

Letzte Aktualisierung ( 17.04.2013 )
 
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