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"Herr Lehmann" ist lustig Drucken E-Mail
Herr Lehmann ist ein Film über den Roman von dem Sänger von Element of Crime, die meine Freundin gut findet, und deren Lied über Delmenhorst ich auch gut finde, seit ich wieder in Bremen-Vegesack wohne. Ist ja praktisch um die Ecke, da muss man das ja quasi mögen, und ausserdem taucht Getränke-Hoffmann auf. Das Buch ist eines der besseren dieser deutschen Nichtmehrganzjungromane, die sich an bessere Zeiten erinnern und in den der Held öfter mal besoffen ist, aber trotzdem ganz ok. Es gibt keinen blöden Sexismus und keine Herrenwitze, wie bei Frank Gooßens. Vermutlich ist es auch viel besser als irgendetwas von Florian Dingsda, dem, der  „Generation Golf“ geschrieben hat. Obwohl es auch so ein Generationsroman ist. Ich kann Generationsromane nicht ausstehen, dieses blöde Sich-Wiedererkennen und das bescheuerte „Wir“-Gefühl, das finde ich körperlich unangenehm und ideologisch falsch. Das Buch ist trotzdem ok, weil es von netten Leuten erzählt, die Probleme haben, die plausibel sind. Den Film kenne ich nicht, aber er läuft wohl nächsten Monat im Filmrauschpalast, und Anna hat mich gefragt, ob ich etwas über den Film schreiben will. Vermutlich läuft „Herr Lehmann“ weniger, weil der Film so fantastisch ist, eher schon, weil ein Teil des Films in eben diesem Kino gedreht worden ist. Mein Bruder hat neulich eine Streichholzschachtel mit einem Werbeaufdruck des Kinos bei mir liegen gelassen, auf dem zwei Schauspieler in „Star Wars“-Klamotten zu sehen sind, die vor unserem Tresen stehen, also dem Tresen des Kinos, das ich auch mal mit gegründet habe. Von Leuten in Star-Wars-Outfits steht im Buch nichts, was aber nichts heißen muss. Es kann einem ja auch mal was einfallen, wenn ein Buch schon fertiggeschrieben ist. Wenn einer von den Männern, die sich als Luke Skywalker verkleidet haben, besagter Herr Lehmann sein soll, dann  fände ich das allerdings bescheuert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Figur so was machen würde, wenn sie nicht dazu gezwungen wurde. Es könnte natürlich sein, dass er dringend Geld gebraucht hätte, dann wäre es immerhin verständlich, aber ich finde so was würdelos und der Herr Lehmann im Roman hatte durchaus ein Gefühl für Würde, was übrigens auch einer der Gründe ist, warum das Buch eigentlich schon ganz gut ist, jedenfalls mehr deshalb, als weil es witzig ist.

Tresen
Tresen im Filmrauschpalast
Jedenfalls stehen diese beiden Herren vor unserem Tresen, der hauptsächlich aus einer alten Kühltruhe besteht, die, wenn sie angeschaltet ist, so viel Strom frisst, das es manchmal zu Katastrophen kommt. Normalerweise ist die Truhe deshalb auch nicht angeschaltet. Natürlich auch, weil Strom teuer ist. Die Truhe wird nur zu besonderen Anlässen eingeschaltet, wenn erwartet werden muss, dass viel Bier getrunken wird. Als wir den Grand Prix D´Eurovision de la Chanson, den ich nie „European Song Contest“ nennen werde, zeigten, im Jahr als Guildo Horn als deutscher Sänger auftrat, produzierte die Truhe in Zusammenarbeit mit drei Waffeleisen einen Stromausfall just in dem Moment, als Guildo Horn alle lieb hatte. Dreihundert Leute standen wie die Sardinen zusammengequetscht im Dunkeln, und Wolfgang musste mit der Grubenlampe auf dem Kopf die Sicherung suchen. Es ist dann aber alles gut gegangen. Und vor der Truhe stehen die da jetzt in diesen Star Wars Outfits rum. Die Truhe leuchtet hinter ihnen, nur unsere Poster haben sie abgehängt, weil sie keine Bildrechte dafür bekommen haben, sagt mein Bruder. Vielleicht wollten sie die Bilder auch einfach nicht im Film haben. Ich war ja früher immer stinksauer, wenn irgendwelche Anfänger vergessen hatten, das Licht in der Truhe einzuschalten, damit es wenigstens so aussah, als wäre sie eingeschaltet. Es war natürlich total bescheuert, sich über so was aufzuregen, weil ja eh kaum mal jemand kam, der sehen konnte, ob die Truhe ein- oder ausgeschaltet war. Andererseits zeigt sich eben auch an Kleinigkeiten die Verantwortung, die man dem großen Ganzen entgegenbringt, und das Kino sah nur dann einigermaßen wie ein Kino aus, wenn die Truhe eingeschaltet war. Die Truhe war früher sehr praktisch, weil man einfach von oben hinter die Glasscheibe fassen konnte, wenn man hinter dem Tresen stand. Als irgendwann Mäuse angefangen haben, die Hanutas anzunagen, die dort deponiert waren, hat Wolfgang Schiebetüren angebracht. Natürlich gibt es keine Mäuse mehr, aber man muss sich mal vorstellen, was das für ein Alarm gewesen ist. Eigentlich könnte man die Schiebetüren wieder ausbauen, das sähe besser aus. Ich frage mich, ob sie das für den Film getan haben. Wahrscheinlich nicht, weil die meisten Leute ja die Schauspieler ansehen sollen, und ihnen die Rückwand des Oberteils eines Kinotresen eigentlich vollkommen egal sein kann.

Also, der Film wird da jetzt wieder gezeigt, und man kann sich das alles noch mal ansehen. Es gibt auch Bilder vom Kinosaal, und einige Leute, die ich kenne, sitzen da wohl auch drin. Vielleicht sehen die sich das ja auch noch mal an. Das Buch fängt übrigens mit einer lustigen Szene über einen Hund an, und soweit ich weiß, beginnt der Film auch damit. Man weiß natürlich nicht, wie die das filmisch hinbekommen haben, aber ich glaube, das ist Leuten, die „Herr Lehmann“ sehen wollen sowieso egal, Hauptsache der Kram ist lustig. Alle die ich kenne, sagen, es wäre lustig, aber ich kann das, wie gesagt, nicht beurteilen.

Tom Dorow

Letzte Aktualisierung ( 12.07.2006 )
 
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