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DAS LEBEN DER ANDEREN PDF Drucken E-Mail
17.10.2006

(D 2006, 137 Min., Drama)
R., B.: Florian Henckel von Donnersmarck
D.: Ulrich Mühe, Ulrich Tukur, Martina Gedeck

Ulrich Mühe hört mitOst-Berlin, November 1984. Fünf Jahre vor seinem Ende sichert der DDR-Staat seinen Machtanspruch mit einem erbarmungslosen System aus Kontrolle und Überwachung. Als Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) den linientreuen Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) auf den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreyman (Sebastian Koch) und seine Lebensgefährtin, den Theaterstar Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck), ansetzt, verspricht er sich davon einen Karriereschub. Immerhin stehen höchste politische Kreise hinter dem "operativen Vorgang". Womit er nicht gerechnet hat: Das intime Eindringen in die Welt der Observierten verändert auch den Spitzel. Das Eintauchen in DAS LEBEN DER ANDEREN – in Liebe, Literatur, freies Denken und Reden – macht Wiesler die Armseligkeit seines eigenen Daseins bewusst und eröffnet ihm eine nie gekannte Welt, der er sich immer weniger entziehen kann.

12.- 25.10.06 um 20 und 22.30 Uhr

FILMKRITIK:

Berlin, 1984. Der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) unterrichtet junge Rekruten in Verhörmethoden und Taktik, als sein Freund und Vorgesetzter Anton Grubitz (Ulrich Tukur), ihn in den aktiven Dienst zurückholt. Das hohe Parteimitglied Bruno Hempf (Thomas Thieme) betraut sie mit einer heiklen, und, wie sich herausstellt, persönlich motivierten Aufgabe: Sie sollen den renommierten Dramatiker Georg Dreyman (Sebastian Koch) überwachen, der von der Partei geschätzt wird und bislang keinerlei Anzeichen machte, dem Staat kritisch gegenüberzustehen. Schnell stellt sich heraus, dass das eigentliche Motiv der Ermittlung ein anderes ist. Hempf führt eine Affäre mit der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck), die mit Dreyman liiert ist. Wiesler beginnt mit der Überwachung und findet sich bald in kaum zu vereinbarenden Konflikten. Einerseits hat Dreyman ganz offensichtlich nichts zu verbergen. Zwar hat er Kontakt zu Regimekritikern, verteidigt einen befreundeten Regisseur, der für seine subversiven Arbeiten mit Arbeitsverbot belegt wurde, aber er selbst bleibt betont neutral. Seine eigenen Defizite als Autor sind ihm wohl bewusst, doch die Privilegien, die er als gefeierter Autor erfährt, genießt er. Andererseits steht Wiesler unter erheblichem Druck Beweise gegen Dreyman zu finden, ja, diese im Notfall auch zu erfinden, um den persönlichen Rachefeldzug seines Vorgesetzten und damit auch seine eigene Karriere nicht zu gefährden. 

Ulrich Mühe spielt Wiesler als biederen Beamten, der ganz in seinem Beruf aufgeht, ein penibler Arbeiter, dessen Privatleben nicht existent ist. Seine Wohnung in einer Plattenbausiedlung ist karg und einsam, zum Essen wird eine Dose geöffnet, soziale Kontakte beschränken sich auf den gelegentlichen Besuch einer Prostituierten. Ganz anders das Leben von Dreyman und Sieland, in das Wiesler immer tiefer eintaucht, das er abhört und akribisch notiert. Seine Sympathien für das Paar wachsen und mit ihnen die Zweifel am Regime, dass offensichtlich unbescholtene Bürger überwacht und ihre Karrieren zerstört. Wie sich nun die Lage zuspitzt, wie Wieslers Versuche Schaden von Dreyman und Sieland abzuwenden, genau das Gegenteil bewirken, entwickelt der Film in überraschend origineller Weise. Zwar sind die Dialoge bisweilen nicht frei von Klischees, doch diese werden durch zahlreiche pointierte Szenen aufgewogen. Mit bemerkenswertem Mut für Größe und Pathos entwickelt der in Köln geborene von Donnersmarck seine Geschichte und schreckt weder vor großen Emotionen noch vor  dramatischen Wendungen zurück. Nach Dominik Grafs Der Rote Kakadu ein weiterer Film, der sich mit der DDR beschäftigt ohne – wie etwa Goodbye, Lenin! oder Leander Haussmanns Filme – in die Ostalgie-Falle zu treten.  

Michael Meyns auf www.programmkino.de

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Letzte Aktualisierung ( 26.10.2006 )
 
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