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The Departed (OF) Drucken E-Mail
(USA 2006, 146 Min, Krimidrama, Thriller)
R.: Martin Scorsese
K.: Michael Ballhaus
D.: Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Alec Baldwin

ImageFür diesen Film wurde Martin Scorsese mit dem lange erwarteten Oscar ausgezeichnet. Es handelt sich um einen Polizeithriller mit symmetrischer Konstruktion: der irische Gangsterboss Frank Costello (Jack Nicholson) schleust seinen Zögling Colin Sullivan (Matt Damon) bei der Bostoner Polizei ein, während diese seine eigene Organisation unterwandert. Billy Costigan (Leonardo DiCaprio), der mit Sullivan auf der Polizeiakademie war und selbst dem irischen Milieu entstammt, gelingt es, Costellos Vertrauen zu gewinnen und in dessen Gefolge aufgenommen zu werden. Die beiden "Maulwürfe" bekommen Wind voneinander und werden jeweils beauftragt, die Identität des anderen aufzuklären.

Jack Nicholson spielt einen eloquenten Amoralisten und gewalttätigen, perversen Erzbösewicht. Scorsese hat sich nicht dagegen wehren können, dass Nicholson das Drehbuch zum Teil umschrieb und in den Szenen, in denen er selbst mitspielte, die Regie übernahm. Wenn er sich eine Paraderolle auf den Leib schreiben wollte, ist er dabei übers Ziel hinausgeschossen. Die Figur ist leicht überzeichnet und mit ein paar überflüssigen Elementen bestückt. Dass diese aber überhaupt auffallen, mag auch an der ansonsten extrem dichten und strengen Konstruktion des Films liegen.Image


Auch Matt Damons Part erinnert in Teilen an frühere Rollen, wie z.B. in Ripleys Game und in The Bourne Identity. Wieder geht es um das Oszillieren zwischen erfundener und gelebter Identität. Sullivan ist blitzschnell, geistesgegenwärtig und gewandt. Präzise und mit eiskalter Nervenkontrolle spielt er seine Züge aus, wird in kürzester Zeit befördert und kann sich noch gewagtere Täuschungsmanöver erlauben. Doch wie immer: in dem Moment, wo er versucht ein Mensch zu sein, geraten die Dinge ins Rutschen und sein eigenes Talent wird ihm zum Verhängnis. Es kommen die Situationen, die Matt Damon so gut spielen kann: wo der einsame Streber-Killer präzise und konzentriert, aber mit sichtbar steigender Anspannung und Verbissenheit weiterarbeitet, wo die schwitzende Stirn und zitternde Hände verraten, wie der Virtuose und auf dem Hochseil balancierende Improvisateur gegen die Verkrampfung ankämpft, die sein Untergang wäre.

ImageDie Tragik von DiCaprios Billy Costigan ist eher die einer zerrissenen Persönlichkeit, deren Zerrissenheit ausgenutzt und so fortgesetzt wird. Anstatt, wie zur gleichen Zeit sein Gegenspieler, die Karriereleiter hinaufzuklettern, muss er sich für seine Herkunft rechtfertigen. Seine zweifelhafte Vergangenheit wird von seinen Vorgesetzten zum Vorwand genommen, ihn zu dem riskanten Einsatz zu zwingen (zum einen kann er als nicht vertrauenswürdig gelten, zum anderen ist seine Erfahrung von Nutzen). Es bleibt ihm verweigert, was ihm seit seiner Kindheit fehlt: Würde, Zugehörigkeit, bürgerliche Normalität. Costigan ist ein Opfer der Umstände, von Beginn an muss er um sein Leben bangen. Furchterregende Soziopathen und irrsinnige Gewalt hat es schon in vielen Scorsese-Filmen gegeben. Man konnte die Art ihrer ästhetischen Darbietung, ihre musikalische Klimatisierung, fragwürdig finden. So gesehen ist es diesem Film anzurechnen, dass Zeuge und Beobachter des Bösen ein solchermaßen Leidender ist.

Der Schwere der menschlichen Konflikte, der Kälte und der Angst, die wie nebenbei verhandelt werden, hält sein rasantes Tempo und seine spannende, komplizierte Handlung die Waage. Für erzählerisches Ausschweifen ist hier kein Platz, für identifizierendes Mitfühlen gerade soviel, dass die Figuren nur wenig mehr sind als die sprichwörtlichen Figuren auf dem Schachbrett. Am Ende vollzieht sich das Agentenspiel als faszinierendes A-jagt-B-jagt-C oder als Domino von Männern in dunklen Overalls und mit Schalldämpferpistolen.

Malte Puttfarken 

Letzte Aktualisierung ( 28.03.2007 )
 
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