EINLEITUNG
Am 22. und 23.6. zeigen wir diesmal im Rahmen unserer Freiluftsaison dffb Abschlussfilme von uns bekannten Regisseuren. Am Freitag starten wir mit HEIMATFILM! von Daniel Krauss, am Samstag folgt PAULE UND JULIA von Torsten Löhn. Beides Filme, die da spielen, wo die Regisseure (Hessen, Berlin) herkommen und deshalb auch sehr authentisch rüber kommen. Jeweils davor zeigen wir das 30minütige Musical WURSTMENSCHEN von Volkmar Umlauft. Jeweils um 22 Uhr umsonst & draussen bei uns im Windlicht OpenAir Kino. Bei Regen umsonst & drinnen! Lasst Euch die Gelegenheit nicht entgehen, diese Filme, die nicht mehr so oft zu sehen sind, auf der großen Leinwand zu geniessen.
Im folgenden möchte wir Euch die Filme im einzelnen vorstellen.
HEIMATFILM!D 2002 R: Daniel Krauss B: Patrick Gurris, Daniel Krauss D: Fritzi Haberlandt, Hannes Jaenicke, Wolfgang Stumph
Kritik
Wunder gibt es immer wiederDer Titel ist Programm: "Heimatfilm!" mit Fritzi Haberlandt
Von Peter Claus
Der Mund schmal und verkniffen, die Augen zu kalten Sehschlitzen verengt, versteckt in Klamotten, die so praktisch wie hässlich sind: das ist Britta (Fritzi Haberlandt). Wenn sie das erste Mal auf der Leinwand auftaucht, möchte man nur aus dem Kino rennen und die dröge Provinz-Tusse sich selbst und ihrem garantiert trüben Schicksal überlassen. Doch am Ende, wenn die junge Frau drauf und dran ist, diesen öden Ort namens Fallen (sic!) zu verlassen, da möchte man Britta einfach in den Arm nehmen. Man hat sich verliebt in diese graue Maus.
Ein kleines Wunder, wie es nur im Kino möglich ist.
Fritzi Haberlandt, diese robuste Zärtliche, und Regisseur Daniel Krauss, ein Mann mit Sinn fürs Besondere im Banalen, haben dieses kleine Wunder vollbracht. Wissen um soziale Wirklichkeit, ein genaues Gespür für Spannung im Unspektakulären und eine große Zuneigung zu den so genannten kleinen Leuten sind den Beiden offenbar eigen. Krauss hat seiner hinreißend spröden Hauptdarstellerin, die es schafft, hinter dem vordergründigen Mauerblümchenblick das leise Trauern um die unerfüllten Träume vom Glücklichsein aufscheinen zu lassen, ein weites Feld geschaffen, auf dem sie ihr großes Können voll ausspielen kann. Und Haberlandt spielt, als ginge es um Leben und Tod.
Und tatsächlich geht es in der Geschichte vom Aufbruch Brittas aus der Lethargie ja auch um Leben und Tod, im übertragenen wie im direkten Sinn. Die Begegnung mit dem Rettungssanitäter Knut (Lars Gärtner) nämlich lässt das Mädchen aus dem Videoschuppen endlich den Tritt verlieren und dadurch Halt finden. Freund Bernd (Hannes Jaenicke) und Bruder Simon (Max Richter) hätten vor der einen, alles verändernden Nacht, die im Zentrum der Story steht, wohl nicht mal ansatzweise geglaubt, dass Britta auch nur fähig ist, einen Schritt vom ausgelatschten Trampelpfad des Lebens abzuweichen.
So wie der Zuschauer, der sich zunächst nicht vorstellen kann, an diesem Mädchen irgend etwas zu finden, was ihn interessieren könnte - und am Ende zittert sein Herz für sie.
aus: Berliner Morgenpost 28. Januar 2004
Links http://www.danielkrauss.com/ http://www.danielkrauss.com/baustelle/grafik/k_sueddeutsche.pdf http://www.danielkrauss.com/baustelle/grafik/k_giessener.pdf http://www.danielkrauss.com/baustelle/grafik/k_faz.pdf
PAULE UND JULIAD 2002 R: Torsten Löhn B: Torsten Löhn, Christoph Roos D: Marlon Kittel, Oona Devi Liebich, Martin Semmelrogge
Preise- Preisträger beim Studio-Hamburg-Nachwuchspreis 2002
- Beste Filmmusik, 4. Internationale Musik-Biennale Bonn 2002
- Beste Kamera, Brooklyn International Film Festival 2003
Pressestimmen
Neben der mitreißenden Geschichte fesseln vor allem die atmosphärisch dichten Bilder Frank Amanns. Seine oftmals schier rasende Kamera hält weder allein auf werbeträchtige Touristenziele noch dringt sie unentwegt in den Dreck der Gosse. Er schaut mit frischer Neugier hinter die alltäglichen Fassaden, hinter den Schick und den Mief und entdeckt dort das Unerhörte. Berlin Live/Morgenpost, 19.6.2003
Dank Löhns Gefühl für Perspektive kann man sich in die Diebe genauso gut hineinversetzen wie in die Detektive (...) beachtlicher Erstling über die Liebe einer behüteten Tochter zu einem Kleinkriminellen. Ticket/Tagesspiegel, 19.6.2003
Sie sind wie Romeo und Julia, jung, übermütig und aus gegensätzlichen Welten. (...) Wie man um das Wohlergehen der drei bangt, ist das Verdienst der Darsteller Marlon Kittel (Paule) seine robuste Verletzlichkeit macht dem Vornamen alle Ehre (...), von Kameramann Frank Amann, (...) und dem Soundtrack von Lars Löhn. Und natürlich von Regisseur und Ko-Autor Torsten Löhn, der sein dffb-Studium mit diesem detailgenauen Spielfilmdebüt höchst vielversprechend beendet. Neues Deutschland, 19.6.2003
Eine spannende und authentische Geschichte aus dem wirklichen Leben, durchaus nicht nur für Jugendliche. Löhn zeigt die Welt, wie sie ist: Es gibt keine Gleichheit. Und eine Liebe muss schon verdammt stark sein, um die Gräben zu überwinden, die sich durch die Gesellschaft ziehen. BZ, 19.6.2003
Dieses kleine Meisterstück der Kameraführung und rasanten Montage. Filmdienst 13/2003
Torsten Löhn liebt Gesichter. Seine Figuren bestehen fast ganz daraus: Gesichter als Lesebücher für Geschichten. (...) Man folgt der unglaublichen Geschichte bis an dieses Ende, folgt ihr gern, weil die Figuren, die sich suchen und sich fliehen (immer beides zugleich, auch und gerade in der Liebe) so genau beobachtet sind. Als Zuschauer ist man ihnen stets einen Schritt voraus vor allem in dem Wissen, dass die eigene Situation sich noch lange nicht ändern lässt, wenn man sie durchschaut hat. Berliner Zeitung, 19.6.2003
Der Junge, dem es gilt, hat wenig Chancen auf ein bürgerliches Leben, ohne dass Torsten Löhn ihn deswegen exotisch machen würde. Torsten Löhn übertreibt nicht, er zeigt die Stadt als hartes Pflaster. FAZ, 26.6.2003
Erstaunlich, wie souverän der Berliner Torsten Löhn in seinem Spielfilm-Erstling mit Timing, Inszenierung und Schauspielerführung umgeht. Geschickt variiert er das Tempo, mal mit ruhigen Einstellungen, mal mit nervöser Handkamera. zitty, 13/2003
Torsten Löhn belegt das eindringlich mit diesem dichten, spannenden Jugendfilm jenseits üblicher Jugendfilm-Klischees, der auch ein gelungener Film über diese Stadt ist. Die Welt, 19.6.2003
aus: http://www.basisfilm.de/PauleundJulia/PuJPresse.html Inhalt Der 15jährige Paule führt ein wildes Leben auf Berlins Straßen. Mit dem erst 12jährigen Arnel, der von seiner Rückkehr in die bosnische Heimat träumt, stiehlt er in Kaufhäusern und teuren Einkaufsmeilen. Alles ändert sich, als Paule Julia beraubt und sich in sie verliebt. Er stellt ihr nach, bringt der 18jährigen die geklauten Sachen wieder und gibt vor, älter zu sein. Bald ist das wohlbehütete Mädchen ebenso stark angezogen von dem rotzigen Charme des Jungen und seiner aufregenden Welt. Als aber Arnel von seinem Cousin gefoltert und schwer verletzt wird, erkennt sie, wie fremd und gefährlich diese Welt ist. Auch Paule gerät immer tiefer in den Konflikt zwischen seinem alten Leben und dem, was er sich mit Julia erträumt. Er kämpft dagegen an, aber am Ende wird dieser Konflikt in die Katastrophe führen.
"Das Authentische blieb wichtig, egal, ob beim Schreiben, beim Casting der Jugendlichen oder beim Drehen. Gleichzeitig sollte es immer eine Geschichte bleiben - ein Spiel. Das hat freier gemacht und manchmal ermöglicht, von einem harten Stück Leben mit Leichtigkeit zu erzählen." Torsten Löhn
Links http://www.basisfilm.de/PauleundJulia/PauleundJulia.html http://www.br-online.de/kultur-szene/film/kino/0309/00932/index.shtml
http://www.nachwuchspreis.de/index.php?id=67
Eine Biografie von Torsten Löhn findet sich hier .
WURSTMENSCHEND 2003 Spielfilm/Musical (30 min) R, B: Volkmar Umlauft D: Jule Böwe, Conny Herrford, Falk Rockstroh, Dieter Wardetzky, Robert Schupp, u.v.a.
Inhalt
In der EU steigen die Fleisch – und Wurstpreise. Skrupellose Geschäftemacher schmuggeln Würste aus Polen nach Deutschland und lassen sie schwarz in Parks verkaufen. Um die alsbald hermetisch abgeriegelte deutsche Grenze zu überwinden, entwickelt die osteuropäische Wurstmafia ein perfides Verfahren: Sie formt Körper aus Wurstmasse, umgeben von einer „Pelle“ und bringt sie mit der gentechnischen Wundersubstanz „Trophin“ zum Laufen, Sprechen, Singen. So als Chor getarnt kommt die Wurstmasse über die Grenze und in geheime Wurstfabriken auf deutschem Boden. Alles könnte bestens so weitergehen, wäre da nicht Maria, eine wurstsüchtige Radioreporterin und ihr ebenso süchtiger Dackel. Kaum landet die erste Ladung Wurstmenschen in Deutschland, verliebt sie sich in eine dieser Würste und brennt mit „ihm“ durch. Politik und Gesellschaft schreien auf und es kommt zum ironisch gemeinen Musical-Tragikfinale.
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