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4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage | 4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage |
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| 20.02.2008 | |
Rumänien 2007Regie und Buch: Cristian Mungiu Darsteller: Anamaria Marinca, Laura Vasiliu, Vlad Ivanov, Alexandru Potocean Webseite: www.4months3weeksand2days.com Das rumänische Drama von Cristian Mungiu gewann 2007 die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes. Zwei junge Frauen wollen darin während der Ceausescu-Diktatur in den 1980er Jahren eine illegale Abtreibung von einem zwielichtigen Experten durchführen lassen. Ein packender und bestürzender Film, der die düstere und verzweifelte Stimmung im einst kommunistischen Rumänien zeigt. PRESSESTIMMENFür Anke Leweke ist der Film nicht einfach nur die Abrechnung mit einer untergegangenen Ideologie und Epoche. "Es ist ein Film, den man nicht mehr los wird, weil seine Bilder sich in unser Gedächtnis senken. Gerade in seiner Sachlichkeit und Nüchternheit entwickelt er eine emotionale Wucht, die den Zuschauer weder überwältigt noch überrollt, sondern nur gebannt auf die Leinwand starren lässt. ... [Er] stellt sich seinem Thema bis zur letzten Konsequenz und führt es in all seinen Facetten aus. Dabei überlässt er dem Zuschauer Bilder und Szenen, die er ganz allein, ohne moralische oder emotionale Gebrauchsanweisung mit aus dem Kino nehmen muss." Die Tageszeitung Heimlich, still und leise hat sich Rumänien zu einem der interessantesten europäischen Filmländer entwickelt, meint Michael Kohler. Die Handlung "wirkt dabei mitunter wie eine Studie über darstellerische Wahrhaftigkeit. Stets bleibt die Kamera auf Distanz, meistens rückt sie die Figuren aus gleichbleibender Perspektive und in langen Einstellungen ins Bild. ... Schon lange hat sich kein Filmregisseur mehr derart gekonnt der Intensität eines ästhetisch ausgefeilten Dokumentarismus bedient. In langen Proben ließ Mungiú den Text verfeinern, danach entwickelte er mit dem brillanten Kameramann Oleg Mutu ein Konzept, das den Schauspielern möglichst viele Freiheiten gibt und dabei trotzdem genuin filmisch erscheint." Frankfurter Rundschau Die Poesie des Mitwissens hat Gunnar Decker überzeugt. "Ein dunkler Film über ein Land in Agonie, aber ohne jeden anklagenden Gestus, ohne dass über Politik überhaupt je gesprochen würde. Ein Film schließlich über die stille Widerstandskraft aus Lebensklugheit von Menschen, die sich weder vom System brechen ließen noch zu bloßen Mitläufern oder gar Mittätern wurden. Mungiu zeigt auf eine großartige Weise, wie man auch über Geschichte sprechen kann – und wie es auf poetische Weise fruchtbar wird, wenn man auf jeden vordergründig anklagenden Gestus verzichtet. Davon sind deutsch-deutsche Geschichtsbilder noch Welten entfernt." Neues Deutschland Beklemmend ist der Film für Peer Schmitt. "Die Beklemmung vermittelt Mungiu mit einem ziemlich weit getriebenen Purismus. Sein Film besteht aus einer Reihung von Plansequenzen, ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht. Dabei kein Raum für Improvisation, jedes Detail geplant, durchgesetzt und bedeutungsgebend (herausragend die Tonmischung, zumindest in der Originalversion). ... Verzicht erzeugt den besten Effekt. Verzicht übrigens auch auf melodramatische Zuspitzungen. Eine "kalte" Inszenierung der Brutalität existentieller Gefährdung als Alltag." Junge Welt Der Film handelt von Abtreibung, ist aber kein Abtreibungsfilm, stellt Hanns-Georg Rodek fest. "4 MONATE benutzt eine Handkamera, aber die hüpft nicht dogmahaft umher, sondern schwankt leicht, ein unterbewusstes Gefühl der Desorientierung vermittelnd. Mungius Kamera missachtet die alten Kinogebote, dass man den Sprechenden stets im Bild zeigen soll und keine Körperstümpfe ins Bild ragen dürfen - alles Teil einer wohlkalkulierten Strategie, den Zuschauer aus der Sehroutine zu drängen, zwischen Politfilm, Thriller und Horrorstück hin- und her zu zerren." Berliner Morgenpost Laut Rüdiger Suchsland mag der Film motwendig sein, "auch moralisch sympathisch, weil Mungiu immer die Partei der beiden Frauen - von Anamaria Marinca und Laura Vasiliu hervorragend gespielt - ergreift; auch wenn seine Position in der Abtreibungsfrage überaus unklar ist, und man seinen Film wahlweise als Pamphlet gegen jedwede Abtreibung wie als Traktat für ihre Legalisierung und mehr Hygiene interpretieren kann. Aber man möchte doch wetten, dass ein identischer Film, käme er aus Deutschland, Spanien oder Dänemark, im Mai in Cannes keine Goldene Palme gewonnen hätte. Bei Depressionskino gilt der Osteuropa-Bonus." artechock.de Anke Westphal sah einen "großen Film über den Terror - den Terror derjenigen, die überwachen oder etwas zu vergeben haben. Es ist ein schockierender Film auch über das Ausmaß, in dem der Einzelne totalitären Verhältnissen ausgeliefert ist. ... Ja, Mungiu zeigt auch die vergrauten Neubauviertel, die Menschenschlangen vor halbleeren Geschäften, die Unfreundlichkeit und den Terror des Mangels. Aber das tut er auf intensive Weise beiläufig - er zeigt es als Bestandteil eines Gesellschaftssystems, das nicht verglichen wird mit einem anderen, komfortableren und schon gar nicht ausgestellt wie in einem Museum." Berliner Zeitung Immer wieder weigert sich der Film, sentimental zu werden, schreibt Andreas Kilb. "Ohne Gefuchtel und Geschwenke, mit beweglicher, aber niemals zitternder Kamera hält er den Opfergang der beiden Studentinnen fest, die Demütigung des erpressten Beischlafs, die Panik im Gesicht der Schwangeren, die hektische Betriebsamkeit ihrer Freundin. Hätte Mungiu die madonnenhafte Gabita zur Hauptfigur seiner Geschichte gemacht, wäre aus 4 MONATE, 3 WOCHEN UND 2 TAGE vermutlich eines jener Rührstücke geworden, deren Pathos immer ein wenig nach Backmischung riecht. Aber er hat sich für Otilia entschieden, die Ältere, Reifere der beiden, die Zeugin und Mittäterin." Frankfurter Allgemeine Zeitung Jan Schulz-Ojala sah ein kleines Filmwunder. "Das Zusammensuchen der Sachen im Wohnheim, die Suche nach dem Hotelzimmer, wobei die Rezeptionsdamen grausam perfekt den sozialistischen Nicht-Service verkörpern, die ersten kühlen Gespräche mit dem Abtreiber im Auto, die zunächst leise und sich in einem Kurzgebrüll entladende Verhandlung, irgendwann Otilias letzter Freundschaftsdienst mit der hastigen Beseitigung des Fötus in der Nacht: All dies ist in wenige prägnante Szenen aufgelöst, wobei der stativlosen Kamera, selbst wenn sie lange verharrt, allenfalls ein minimales Beben gestattet ist. Aber es ist ein Beben, von Anfang an." Der Tagesspiegel Mitfühlender, genauer, nüchterner und packender ist in diesem Jahr im Kino kaum erzählt worden, schreibt Martin Walder. "4 MONATE ... ist eine Art Thriller und darin herausragend, wie er äussere Dramatik unterläuft. Vielmehr sperrte der Autor die Gefühle filmisch in oft minutenlangen, statischen, zentralperspektivischen Einstellungen wie unter dem Mikroskop ein. So wird Spannung aufgebaut und das seelische und körperliche Dilemma der jungen Frauen in messerscharfen Dialogen zugespitzt. Bis die Emotionen doch auch physisch durchbrechen und die Kamera sich der keuchend durch die nächtliche Stadt irrenden Protagonistin an die Fersen heftet: Ein rudimentäres Leben wird entsorgt. Doch wir Zuschauer mögen uns nicht abwenden, im Gegenteil, weil das Dilemma politischer, sozialer und moralischer Natur ist." Neue Züricher Zeitung Weitere Prestimmen finden sich hier FILMKRITIKÄhnlich wie beim letztjährigen Cannes-Gewinner „L’enfant” der Gebrüder Dardenne ist auch hier das Leben eines Babys der Ausgangspunkt der Handlung. Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage ist es her, dass sich Gâbita (Laura Vasiliu) einem Mann hingegeben hat ohne zu verhüten. Gemeinsam mit ihrer Freundin Otilia (Anamaria Marinca) teilt sie sich ein viel zu kleines Zimmer in einem trostlosen und maroden Studentenwohnheim, wo Kommilitonen mit Schwarzmarktgeschäften versuchen, über die Runden zu kommen. Im kommunistischen Rumänien unter Nicolae Ceausescu sind Zigaretten und kostbare Seife Mangelware, vor den Lebensmittelgeschäften stehen die Leute Schlange, doch was die beiden jungen Frauen vor viel größere Probleme stellt, ist das vom Regime verordnete Abtreibungsverbot: Wer nach dem vierten Monat die Schwangerschaft abbricht, gilt vor dem Gesetz als Mörderin. Dennoch gehen Gâbita und Otilia das Wagnis ein und treffen sich in einem Hotelzimmer mit dem zwielichtigen Mr. Bebe (Vlad Ivanov), der die Abtreibung durchführen soll. Christian Mungius Film ist weder eine Analyse des kommunistischen Rumäniens, noch eine explizite Kritik an der Ceausescu-Diktatur. Stattdessen konzentriert sich sein Drama auf die Tour de Force der jungen Otilia, die in einer Nacht zahllose Prüfungen durchstehen muss, um ihrer Freundin Gâbita zu helfen. Die kleine Stadt, durch die sie hetzt, ist ein unwirscher und grauer Ort voller Plattenbauten, wo selbst ein harmloses Hundebellen in der Dunkelheit zum Alptraum wird. Die persönliche Hölle, durch die Otilia und Gâbita gehen müssen, inszeniert Christian Mungiu in größtmöglicher Intimität, mit der Handkamera ist er so nah an seinen Figuren, dass man die Beklemmung und die Angst selber zu spüren bekommt. Von der Schulter gefilmt und in langen Plansequenzen gedreht, gelingt es Mingiu tatsächlich, ohne falsches Pathos, platte moralische Schuldzuweisungen oder hysterische Überspitzungen auszukommen. Stattdessen macht er anhand von Alltagsritualen und intimen Unterhaltungen sichtbar, wie schwer diesen jungen Frauen nicht nur ihre Selbstbehauptung, sondern auch ihre Entscheidung gegen das ungeborene Leben in einer trotz kommunistischer Fassade streng patriarchalischen Gesellschaft gefallen sein muss. Doch noch mehr als die tristen Umstände, ist es die Unfähigkeit miteinander zu kommunizieren, sich zu wehren, sich zu artikulieren, die den beiden jungen Frauen zusetzt. Die vollständige Isolation und das Ablehnen von Hilfe aus der eigenen Familie und dem anderen Geschlecht – Otilia verweigert ihrem Freund Adi (Dl. Radu) die angebotene Unterstützung – zeigt den großen emotionalen Konflikt und das Misstrauen in einer Gesellschaft, in der Geheimnisse an der Tagesordnung stehen und staatlicher Terror und Repression bis in den familiären Bereich gedrungen sind. Ein Film, der einen verstört und aufgewühlt entlässt, dennoch von großer emotionaler und erzählerischer Kraft zeugt. David Siems Ab 1966 war Schwangerschaftsabbruch in Rumänien verboten und unter Strafe gestellt. Dies brachte unzählige Frauen zwangsläufig in eine fast ausweglose Situation. Tausende von Frauen und Mädchen sollen an unsachgemäßer Abtreibung gestorben sein. Die Dunkelziffer ist hoch, die genaue Zahl wird nie in Erfahrung zu bringen sein. |
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| Letzte Aktualisierung ( 28.02.2008 ) |
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Rumänien 2007