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Attenberg (OmU)
ImageGriechenland 2010
Regie, Buch: Athina Rachel Tsangari
Darsteller: Ariana Labed, Giorgos Lanthimos, Vangelis Mourikis, Evangelia Randou
Länge: 97 Minuten
Web: www.rapideyemovies.de

Die griechische Regisseurin Athina Rachel Tsangari erzählt in ihrem Film „Attenberg“ von der 23jährigen Marina, die weitestgehend isoliert aufgewachsen ist und nun ihre Sexualität und ein eigenständiges Leben entdeckt. Genug bizarre Ideen, um einem am betont abseitigen Arthouse-Kino interessierten Zuschauer bei der Stange zu halten, im Ganzen eine aber nur bedingt gelungene Variation bekannter Kunstfilm-Muster.

FILMKRITIK


Jeder Freund der wunderbaren BBC-Tierdokumentationen kennt die Stimme von David Attenborough, Bruder des berühmten Gandhi-Regisseurs Richard, der mit weichem britischen Akzent gleichermaßen Neugier und Faszination vermittelt und über die Wunder der Tierwelt berichtet. Diese Dokumentationen sieht auch Marina (Ariana Labed), die Hauptfigur von „Attenberg“ – so etwas wie die kindliche Aussprache von Attenborough – sehr gern. Man muss sogar noch weiter gehen und sagen, dass sie einen Großteil ihres Wissens über die Welt, die Natur und vor allem das Sexualverhalten der Primaten, und damit sind auch die Menschen gemeint, aus diesen Dokumentationen gewonnen hat. Denn Marina lebt in einer abgelegen Industriestadt an der griechischen Küste, die Mutter ist schon lange verschwunden, ihr Vater Spyros (Vangelis Mourikis) hat Krebs und liegt im Sterben, ebenso wie die Stadt selbst, symbolhaft für das ganze Land.

Mit ihren 23 Jahren hat Marina noch keinerlei sexuelle Erfahrungen gemacht, ist vielmehr abgestoßen von den durch die Naturfilme hervorgerufenen Bildern der Sexualität, von physischer Nähe, dem Austausch von Körperflüssigkeiten. Ganz anders ihre Freundin und scheinbar einziger Kontakt zur Außenwelt Bella (Evangelia Randou). Die bringt ihr nicht nur das Küssen bei – was weniger eine erotische, als eine experimentelle Qualität hat –, sondern vollführt zusammen mit Marina auch immer wieder eingestreute körperliche Verrenkungen.

In einer Mischung aus nachgeahmten Tierbewegungen, bizarren Arten zu Gehen a la John Cleese und mehr oder weniger rhythmischen Tanzbewegungen sind diese disparat wirkenden Szenen emblematisch für die Struktur des Films. Genauer gesagt für das nicht vorhandensein von Struktur. Eine klassische Handlung ist nur lose auszumachen, allein die Wiederholung verschiedener Schauplätze und Situationen lässt sich als eine Form der Entwicklung beschreiben. Vieles wird angedeutet, wenig wirklich gesagt, der distanzierte Blick auf das Leben und die Menschen wird noch durch die zurückgenommene Kamera betont, die in streng komponierten Bildern auf die Figuren und die Welt als Ganzes blickt.

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Letzte Aktualisierung ( 25.11.2011 )